Warum Gold statt Stahl?

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Saarländerin
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Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Saarländerin » 10.01.2012 10:11

Liebe Freunde und Freundinnen schöner Schreibgeräte,

seit vielen Jahren lese und schreibe ich hier.
Und dennoch weiß ich keine >objektive< Antwort auf die im Titel formulierte Frage.
Bestehen - außer der Ästhetik - objektive Vorteile einer Goldfeder (ob 14 oder mehr Karat mal außer Acht gelassen) gegenüber einer Stahlfeder?
Es muss doch nachvollziehbare Gründe geben, warum viele Schreiber Gold einer gut geschliffenen Stahlfeder bevorzugen, zumal wir (außer bei Spezialschliff ) doch real mit dem Schreibkorn (aus Iridium oder Ruthenium oder sonstwas) schreiben.
Im Bereich >Rund um die Feder< werden (vermeintliche?) Vor- und Nachteile von Gold/Stahl immer mal eher beiläufig angesprochen, aber für die Hand des Schreibers (und nicht die Optik des FH) wirklich nachvollziehbare Vor- und Nachteile von Gold/Stahl (außer dem Preis natürlich) habe ich noch nicht gefunden...(oder ich habe nicht richtig gesucht :oops: )
Und bisher leider auch keine entsprechenden Erfahrungen selbst machen können, denn ich besitze (wie wohl nahezu alle hier) gut- und schlechtschreibende Gold-/Stahlfedern?
Kann man daher daraus schließen, dass die Frage nicht objektiv beantwortbar ist?
Gold --> Stil, Marketing - oder tatsächlich "besser"?

Fragende Grüße von Roswitha

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Andi36
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Andi36 » 10.01.2012 11:05

Hallo Roswitha,

Das ist Eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Ich möchte Sie aber schon um den Aspekt erweitern, wenn schon Gold, warum 14 18 oder 21 Karat - was bringt das jeweils höherwertige Gold?

Andreas

füller-fan
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von füller-fan » 10.01.2012 11:12

Hallo zusammen,

und auch von mir eine ergänzende Frage: Was bringt mir eine vergoldete Edelstahlfeder? Hat das eventuell mit der Oberflächenbeschaffenheit zu tun? Eventuell andere Fließeigenschaften einer Goldoberfläche gegenüber einer Stahloberfläche?

Wirkliche eine interessante Fragestellung!

Gruß
Andreas

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Tombstone
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Tombstone » 10.01.2012 11:29

Ohne selber etwas zum Thema "Stahl oder Gold" beitragen zu können, wurde mir gegenüber zum Thema "Vergoldung" der Grund "pure Optik" genannt.

Quelle ist ein Galvanikbetrieb, der u.a. auch im Auftrag vergoldete Federn hergestellt hat...

Nachtrag: ein gerade zufällig befragter alter Werkzeugmeister vermutet eine geschichtliche Beziehung:

--> Gold ist elastischer als unbehandelter Stahl
--> früher war die Trennung "Gold = besser als Stahl" aus dem Material definiert
--> heute ist das aber unnötig, da man dem Stahl durch Legierungen ein ähnliches Verhalten wie dem Gold antrainieren kann

--> wir haben es hier mit einer überkommenen, mit heutiger Technik nicht mehr übereinstimmenden Kopfsache zu tun.

Aus seiner Sicht gibt es technisch keinen Grund, Goldfedern zu nutzen...
Ciao - Peter

Handle stets so, dass die anderen sich wundern, warum sie Dir noch keine reingehauen haben...

Niagara Falls

Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Niagara Falls » 10.01.2012 14:04

Hallo,

zu früheren Zeiten, als noch nicht so hochwertige austenitische und damit korrosionsbeständige Edelstähle zur Verfügung standen, war Gold wohl das einzige Metall, das gegenüber den aggressiven, sauren (eisengallushaltigen) Tinten auf Dauer resistent war.
Gold war auch besser zu verarbeiten als die naturharten und Werkzeug verschleissenden Edelstähle.

Also war wohl hauptsächlich in den Vorkriegszeiten Gold das Metall der Wahl, wenn es um eine ideale Kombination aus chemischer Beständigkeit, Verarbeitbarkeit und (!!) Flexibilität ging.

Vor der Goldmanie (außer für den französischen Markt) waren 95% der Goldfedern wohl aus Gründen der Verarbeitung aus 14K Gold.

Ich denke, mit den heutigen Techniken der Massenherstellung ist eine präzise gefertigte Stahlfeder einer "handgefertigten / geschliffenen / gedengelten oder was auch immer" Goldfeder überlegen.

Gruß Günther

Thomas Baier
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Thomas Baier » 10.01.2012 17:59

Hallo miteinander,

ich habe ja auch vor Jahren einmal gefrustet geschrieben: Warum noch Goldfedern, wenn das nur noch Besenstiele sind?

Aber ganz so sehe ich es heute nicht mehr.

Ich denke, das läßt sich alles nicht verallgemeinern. Das ist bei verschiedenen Produkten schon unterschiedlich und zudem gibt es natürlich auch andere Aspekte wie ja bei Schmuck auch.

Einige Aspekte:
1. Manche Goldfedern laufen einfach viel saftiger und schreiben sich viel besser, Beispiel Lamy Accent/Studio Stahl- gegen 14-K-Goldfeder
2. Heuzutage viel mehr Federbreiten bei vielen Goldfedern
3. Wertigkeit, Aussehen, Stimmigkeit bei einem hochwertigen Füllhalter
4. Aber auch leider viel mehr Serienschwankungen, kratzige Ungeheuer und manchmal auch matschige Federbreiten, was nicht sein müßte. Daher sind die feinen Pelikan-Goldfedern manchmal eine Enttäuschung gegenüber den wirklich feineren Stahlfedern.
5. Manche vergoldete Stahlfedern laufen einfach flüssiger, bei Pelikan habe ich das schon gesehen. Bei einigen Exemplaren hat mir stets das vergoldete Modell besser zugesagt. Manche sagen, das sei bei Kaweco auch so. Dort muß man aber auch die enorme Weiterentwicklung der Federqualität in den letzten Jahren dagegensetzen. Und das ist auch bei den unvergoldeten Stahlfedern so.

Zusammenfassend: Es ist wie fast immer. Sehr indivudiell und von Modell/Hersteller zu Modell/Hersteller durchaus anders. Es liegt bei den Goldfedern meiner Meinung nach eher daran, daß deren Möglichkeiten nicht mehr ausgeschöpft werden. Meine Pelikan-14-K-Goldfedern mit Ebonit-Tintenleiter möchte ich nicht gegen Stahlfedern tauschen ... Oder eine alte Montblanc-Flügelfeder durchaus auch mit 18 K ... Großartig!

Viele Grüße
Thomas

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Andi36
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Andi36 » 10.01.2012 18:12

Servus Günther,
Niagara Falls hat geschrieben:... als noch nicht so hochwertige austenitische und damit korrosionsbeständige Edelstähle zur Verfügung standen, war Gold wohl das einzige Metall, das gegenüber den aggressiven, sauren (eisengallushaltigen) Tinten auf Dauer resistent war....
Da kannst Du absolut recht haben, mir ist bei der Reinigung verschiedener alter Füller schon aufgefallen, dass manche Stahlfedern, die zunächst nur verschmutzt aussahen, nach etwas Politur offenbarten, dass das Material regelrecht angefressen war; d.h. es gab richtig Löcher, oder auch Vertiefungen in der Oberfläche. Eine verrostete Feder habe ich allerdings auch noch nicht gesehen.

Gruß,
Andreas

Saarländerin
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Saarländerin » 11.01.2012 12:26

Merci vielmals Dankeschön für die bisherigen Antworten :D
Offensichtlich ist, wie schon geahnt, diese Frage nicht allgemeingültig zu klären?
Vielleicht finden sich aber noch weitere Erfahrungen, Erkenntnisse?
Ganz konkret konfrontiert wurde ich mit der Frage vor wenigen Tagen bei einer Visite in einem Fachgeschäft, als ein Kunde sich bei einem Lamy Studio nicht zwischen der Stahl- und der Goldfeder entscheiden konnte. Er bemerkte beim Testen keinen Unterschied. Als unbeteiligte Beobachterin, die aber seit Jahrzehnten schöne Schreibgeräte hegt und pflegt, fiel mir ein wirklich überzeugendes Argument >pro Goldfeder< nicht ein - musste es auch nicht, da ich nicht die Verkäuferin war...
Als Neueinsteiger in unser schönes Hobby würde ich halt von "alten Hasen" eine Antwort erwarten...

Nachdenkliche Grüße von Roswitha

Niagara Falls

Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Niagara Falls » 11.01.2012 13:45

Ich glaube, es gibt keine allgemeingültige Antwort auf das Thema.
Mit meinem Pelikan 100N mit B-Stahlfeder schreibe ich sehr sehr gern, eben wegen dem Federschliff und der Flexibilität der Feder, trotz Stahl. Ich kann nicht feststellen, daß seine Feder "schlechter" vom Schreibgefühl ist, als die B-Goldfeder eines Pelikan 400. Ich verwende eben für die Stahlfeder (vielleicht sogar ohne Not) "sanfte" Tinten und nicht dokumentenechte.
Aber auch Caran d'Ache hat bei seiner neuen RNX-Serie nur Stahlfedern im Programm, auch andere große Hersteller schließen sich dem Trend an. Es muß ja nicht immer Gold oder Stahl sein...Titan...Palladium...vielleicht gibt es mal einen geeigneten Kunststoff...oder sogar geeignete Biomoleküle, die Technik und Ingenieurskunst der Zukunft wird doch noch einiges für uns bereithalten. Und für die konservativen Benutzer bleibt eben das Gold als Alternative sicherlich vorhanden.

Gruß Günther

Ex Libris
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Ex Libris » 16.01.2012 15:17

Hallo Roswitha,

meines Wissens nach hat Niagara-Günther die richtige Antwort gegeben: Ursprünglich war Gold das Material der Wahl, da nur es auf Dauer die richtig saure Eisengallustinte ausgehalten hat (Ebonit als Material sowohl des Tintenleitsystems wie der Außenhülle hatte ja auch kein Problem mit der Säure; und heute sind die entsprechenden Tinten ja nur noch 'eisengallushaltig'). Ich bin mir sicher, dass ich das in einem oder mehreren meiner Füllerbücher gelesen habe; da ich allerdings im Laufe der letzten Jahre etliche gelesen habe - ohne allerdings dabei zu exzerpieren - kann ich jetzt nicht mehr sagen, in welchem (ich habe eben mal im Dietmar Geyer nachgeschlagen, ohne auf die Schnelle fündig geworden zu sein). Vermutlich ist auch die ursprünglich leichtere Bearbeitbarkeit ein Argument, wenngleich wohl nur ein sekundäres. Denn - soweit ich weiß - Gold blieb ja unhinterfragt das Material der Wahl bis um den 2. Weltkrieg herum die Verwendung für Gold außerhalb kriegswichtiger Produktionen, wozu Schreibgeräte wohl nicht gehörten, verboten war und man sich Ersatzmaterialen suchen musste (die CN-Feder aus der Kriegsproduktion von Pelikan zum Beispiel).

Da heute aber beide Federnarten maschinell produziert werden und man auch keine flexiblen Federn mehr produziert werden, was, meines Wissens, mit Goldfedern leichter produzierbar sein soll, ist es nach meinem Gefühl nur noch ein Mittel, die Wertigkeit des Füllfederhalters zu betonen. Ich kann nämlich selbst auch keinen gravierenden oder bemerkbaren Unterschied zwischen einer Stahl- und einer Goldfeder feststellen, sofern beide gute Exemplare sind.

Sollte ich aber noch einmal fündig werden in Bezug auf die Literatur, hoffe ich, dass ich daran denke, die Information hier nachzutragen.

Viele Grüße,
Florian

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M200
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von M200 » 16.01.2012 18:57

Hallo ihr lieben,

ich möchte hier noch einen Aspekt aus dem Blickpunkt der unterschiedlichen Werkstoffe in die Runde werfen.
Wie wir wissen hat Stahl eine andere Härte als Stahl. Dies kann mittels unterschiedlichen Prüfverfahren herausgefunden werden. Verfahren nach Vickers, Rockwell und Brinell sind hier zu nennen. Es wird also eine definierte Spitze oder Kugel mit einer definierten Kraft auf den Werkstoff gedrückt. Je nachdem wie groß der "Eindruck" ins Material ist, desto weicher ist der geprüfte Werkstoff. Gemessen wird hier je nach Verfahren die Tiefe, Diagonale, der Durchmesser, etc. des Eindrucks und der entsprechend gemessene Wert ergibt dann mittels einer Tabelle die entsprechende Härte nach {Verfahren}.
Ziehe ich also den weicheren Werkstoff über einen Schleifstein so spane ich tendenziell mehr ab als bearbeite ich einen harten Werkstoff. Gold ist also weicher als (Edel-) Stahl. Papier hat eine gewisse Oberflächenstruktur und fungiert wie ein Schleifstein. Dies könnte der Hintergrund sein, weshalb Goldfeder als höherwertig angesehen werden. Jeder Schreiber hält das Schreibgerät in einer anderen Position (steiler, flacher, die Feder eher nach rechts oder nach links gedreht, ...). Und je nachdem schreibt die Feder besser, wenn man die intuitive Schreibhaltung mit einem neuen Füllhalter verlässt und den Halter anders hält. Wenn man das nicht mag muss man den Halter mehr und mehr einschreiben. Dies fällt dann aus beschriebenen Gründen mit Gold möglicherweise leichter.

Was meinen die werten Damen und die, die ihnen Nachlaufen (ich liebe Heinz Erhardt) dazu?

Herzliche Grüße,
Florian
Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße. (Martin Walser)

lw7275
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von lw7275 » 16.01.2012 20:36

Das Einschreiben der Feder dürfte sich mit der Erfindung der Schreibkörner aus Iridium und dgl. tatsächlich weitgehend erledigt haben. Woraus der Rest der Feder besteht, dürfte hierfür erst recht keine Rolle mehr spielen.

Flexibilität ist mit Stahl ebenfalls kein Problem, bestehen doch die Tauchfedern für Copperplate traditionell aus Stahl. Und die sind traumhaft flexibel!
Ich glaube sogar, dass Stahl flexibler als Gold ist. Gold ist weicher, duktiler, aber Federstahl dürfte eben flexibler sein.
Aber die Tauchfedern rosten, wenn man sie nicht nach jeder Verwendung reinigt. Das geht schnell und einfach, nur kurz ins Wasser tunken, abtrocknen, fertig.
Eine Füllhalterfeder liegt dagegen ständig im Saft und darf nicht korrodieren.

Ein Literaturhinweis: aus "Füllfederhalter", Delius Klasing Verlag, 1999, S. 29:

"Wenn man bedenkt, welche Auswirkungen der Säuregehalt und die korrodierenden Effekte der damaligen Tinten auf Metall hatten, mussten Federn im allgemeinen aus Gold hergestellt werden, ..."

Mit "damalig" ist wohl etwa die Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 20er Jahre gemeint.
Die fiesen Tinten machten auch Probleme mit anderen Materialien. So kam man erstmal auf Ebonit, also Hartgummi, für Tintenleiter, Tintentank und Korpus.
Bald wurde Zelluloid entdeckt, das keinen Schwefel ausschwitzt und besser zu färben ist.

Gold dürfte heute vor allem dem Prestige dienen.
Als ich mal in einem Geschäft einen M800 bestellen wollte und mir der Preis zu hoch erschien, wurde mir sehr deutlich erklärt, die Feder bestehe schließlich aus Gold! Aus GOLD!!
ECHTES GOOOOOLD!!!

Na, so viel von dem edlen Metall birgt auch eine große Flügelfeder nicht, dass sie allein den Preis macht.
Aber es sieht halt schön aus.

Lars

Niagara Falls

Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Niagara Falls » 17.01.2012 6:58

Hallo,

zum Goldpreis der Federn: eine M400-Feder hat eine Masse von 600mg (ohne Leiter). Davon sind 58,5% Gold also 600mg x 0,585 = 351mg Feingold.

Eine Feinunze (31,10g) kostet heute 1303 EUR also das Gramm 41,90 Euro.

0,351g x 41,90EUR/g = 14,70 EUR.

Der reine Goldwert einer für 80.- gehandelten M400-Feder beträgt also gerade man knapp 15 Euro. Und das beim derzeitigen Goldpreis.

Also ist "diese Feder ist aus Gold" kein Argument für den Preis eines Füllhalters.

Gruß Günther

Niagara Falls

Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Niagara Falls » 17.01.2012 7:11

Noch was zum Thema Stahl:

Ich hatte mal die Diamine Registrars Ink, die habe ich mal mit einer gebläuten Stahlfeder von HIRO-Leonhard ausgetestet. Nach dem ersten Eintunken in das Tintenfass hat die Tinte die Oxidschicht der Feder abgefressen gehabt. Also diese Tinte ist wirklich "echt ätzend" und ich habe sie auch nie im Halter verwendet.

Ich denke, die früheren Stähle, die noch nicht rostbeständig waren wie die späteren CN-Stähle der Kriegszeit, waren flexibler, da auch durch Wärme härtbar bzw. sie haben auf Wärmebehandlungen angesprochen.
Die CN-Stähle sind austenitisch, bedingt durch ihren hohen Nickelgehalt (max. 0,2% Kohlenstoff, 18% Chrom, 8-10% Nickel, ggf. 2-4% Molybdän), also nur naturhart und nicht härtbar. Dadurch sind sie relativ weich und verformbar.
Ob die heutigen rostfreien Stahlfedern mit höheren Kohlenstoffgehalten hergestellt werden und ggf. Martensite sind (wie z.B. korrosionsbeständige Messerstähle), weiß ich aber nicht wirklich.
Ich fände aber mal einen Exkurs in die Chemie der Schreibfedern sehr interessant.

Gruß Günther

Saarländerin
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Re: Warum Gold statt Stahl?

Beitrag von Saarländerin » 19.01.2012 8:53

Vielen Dank für die zahlreichen Informationen, Tipps, Hinweise und Meinungen zum Thema.
Eine wirklich neutrale Empfehlung, auch nur hersteller-bzw. markenbezogen ("bei X schreiben die Goldfedern immer besser als die Stahlfedern"), scheint nicht möglich.
Nun trage ich seit einigen Tagen (und Versuchen) einen ketzerischen Gedanken mit mir rum, der vielleicht ganz schnell widerlegt wird:
Wenn schon ein unflexibler Stahlnagel in >M< mehr oder weniger Standard ist, auch bei den hochpreisigen Anbietern, was unterscheidet dann noch das Schriftbild von dem eines Rollerballs (mit guter Mine drin)?
Bitte nicht missverstehen: Ich kenne und schätze das Schreiben mit dem FH seit Jahrzehnten, vom Befüllen bis hin zum Trockenpusten der Tinte, die Faszination einer (leider meist nur optisch) meisterhaft gestalteten Feder...und dennoch ganz nüchtern betrachtet: Rollerbälle bestehen meist aus dem gleichen Material wie die entsprechenden FH, sehen bis auf die fehlende Feder gleich aus - und der Strich auf dem Papier kann (meist) ebenso zwischen F, M und B gewählt werden, das Schriftbild ist (meist) sauber (ebenso wie die Finger), Ersatzminen finden überall Platz...
Ich nehme nicht an, dass das Interesse der Penexchang(e)ler an diesen ketzerischen Gedanken für einen neuen Faden ausreicht und hänge diese Grübeleien deshalb einfach mal hier ran...
Viele Grüße aus dem nassen und windigen Saarland mit Frühlingstemperaturen
Roswitha

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