Eisengallustinten stelle ich in drei Stufen her.
Stufe 1 ist die Basis, für jede Tintenklasse gibt es eine auf den späteren Eisengehalt abgestimmte Base. Diese stelle ich in grösseren Mengen her, da sie die günstigeren Stoffe enthalten und universell einsetzbar sind.
Aus den Basen stelle ich in der Stufe 2 einen Farb-Premix her, da die unterschiedlichen Farbstoffe in kleinen Mengen schwierig zu wägen sind, wenn's reproduzierbar werden soll. Farbpremixe gibt es für (fast) alle Tinten. Da man sich hier aber bereits auf das Endprodukt festlegt, drängen sich viele Flaschen und kleinere Mengen auf. Den Bedarf plane ich vorsichtig, um die teils kostspieligen Farbstoffe gezielt einzusetzen.
Stufe 3 ist die fertige Tinte. Hier kommt nur noch das Eisen und ein Antioxidationsmittel hinzu. Tinte stelle ich selten in grösseren Mengen her, ausser vor Penshows oder bei grösseren Bestellungen. Zumeist mische ich fertige Tinten aber glasweise. So kann ich immer frische Tinte liefern.
Dank vieler Tests und Experimente kann ich heute recht gut abschätzen, wie lange sich die Lösungen in jeder Stufe halten. Ich habe bemerkt, dass allen Lösungen ein Schutzgas und die Lagerung bei tiefen Temperaturen sehr gut tun. Gerade die Lagerung im Kühlschrank hat im Voraus für etwas Diskussionsstoff gesorgt - besonders, weil ich diesen nur für diesen Zweck anschaffen wollte. Über das Schutzgas habe ich gar nie gesprochen
Apropos Tests. Ich optimiere und forsche am Thema Eisengallustinte weiter und finde immer wieder kleine Details, über die ich mehr erfahren will. Die letzten zwei Wochen standen im Zeichen eines möglichen Zusatzstoffes, der sich in Abhängigkeit von pH-Wert und Gehalt an Antioxidationsmittel verändern kann. Ich will wissen, wie die einzelnen Parameter wirken und wie oder ob ich das für Tinten nutzen kann. Das erfordert meist viel Zeit, Material und etwas Disziplin.
Zum Glück arbeite ich nicht alleine. Unterdessen hat mir Zollinger ein tolles Team zur Seite gestellt, und jeder hat seinen Aufgabenbereich. Wir verstehen uns blind.
