Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

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Kadran1
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Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Kadran1 » 01.04.2015 20:30

Hallo zusammen,

die Fragen mögen vielleicht ein bisschen komisch klingen, wenn man sich selber mit Füllhaltern beschäftigt, aber es werden ja auch Leute bei Meetings oder ähnlichem darauf aufmerksam, mit was und wie man schreibt, deswegen habe ich mir da mal ein paar Gedanken über die Vielfalt an Farben und ihre Wirkung auf andere gemacht und würde gern mal eure Meinungen hören.

Es gibt da so ein paar Farben, die sexistisch, aber dennoch gesellschaftlich geschlechtlich vordefinierten sind, bspw. rosa, lila, etc. Bei Kleidung hat sich das ja nun eingebürgert, dass auch Männer rosa tragen. Bei Frauen ist die Farbpalette da schon von vornherein größer. Wie sieht das eurer Meinung nach bei Tinten aus? Habt ihr schonmal komische Blicke oder Kommentare geerntet, wenn ihr mit einer solchen Farbe beim Schreiben gesehen wurdet? Schreibt ihr selber mit einer solchen Farbe oder würde euch das nicht ins Haus / in den Halter kommen?

Bin auf eure Antworten gespannt!

Beste Grüße,
Michael
Liebe Grüße
Michael

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bella
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von bella » 01.04.2015 20:43

Von welchen Meetings reden wir denn in diesem Fall?
Sicher ist in klassischen "Business-Meetings" zum einen der Dresscode und somit auch die Farbe der Accessoires enger, als unter Pädagogen, Sozialarbeitern, Reiki-Spezialisten …. oder unter IT-lern, Kreativen oder den klassischen sog. "Intellektuellen".
Jeder Bereich hat so seine ungeschriebenen Formeln und Gesetzmäßigkeiten in denen Dinge unbeachtet bleiben oder eben auffallen.
Pinke, violette, grashüpergrüne oder Türkise Tinte habe ich in klassischen Geschäftsmeetings noch nicht gesehen oder erlebt. Rosa Hemden hingegen schon, die haben wohl die hellblauen abgelöst :mrgreen:

Offengestanden fällt es mir inzwischen in den meisten Meetings am meisten auf wenn überhaupt jemand noch was SCHREIBT und nicht entweder gar nichts notiert, oder auf sein Laptop/Tablett tippt.

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Tombstone
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Tombstone » 01.04.2015 20:53

Ich bin zweieinhalb Zentner schwer und auch genauso breit - wenn jemandem während einem Meeting die von mir gewählte Farbe der Notizen in meinem privaten Notizbuch nicht gefällt, steht ihm jederzeit frei, mir dies mitzuteilen.

... hat bis jetzt aber noch keiner gemacht... warum, weiß ich aber auch nicht...

Resümee: man kann sich über jeden Mist Gedanken machen - man muss aber nicht...
Ciao - Peter

Handle stets so, dass die anderen sich wundern, warum sie Dir noch keine reingehauen haben...

thobie
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von thobie » 01.04.2015 22:18

Einige Farben sind im Dienst tabu. Grün schreibt der Minister, Rot die beamteten Staatssekretäre und lila die parlamentarischen Staatssekretäre. Und so weiter. Und wehe, Du nutzt im Dienst grün, wenn Du nicht Minister bist...

Schwarz, Blau, Blauschwarz geht immer. Schon beim Braun kann es problematisch werden. Hängt von der größe der Hierarchie ab.

Gruß
Thomas

Fiamma
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Fiamma » 01.04.2015 23:27

reicht doch schon, wenn sämtliche Schulfüller "geschlechtsspezifisch" sind :roll:

Zumindest die nächste Generation wird eindeutig konditioniert.

Kadran1
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Kadran1 » 02.04.2015 12:02

thobie hat geschrieben:Einige Farben sind im Dienst tabu. Grün schreibt der Minister, Rot die beamteten Staatssekretäre und lila die parlamentarischen Staatssekretäre. Und so weiter. Und wehe, Du nutzt im Dienst grün, wenn Du nicht Minister bist...

Schwarz, Blau, Blauschwarz geht immer. Schon beim Braun kann es problematisch werden. Hängt von der größe der Hierarchie ab.

Interessant, dass Farben sogar fest vorgeschrieben sind und eine Farbe wie lila sogar in amtlichen Angelegenheiten verwendet wird, wusste ich noch nicht. Schon dafür hat sich der Thread gelohnt. ;)

@Tombstone: manchmal merkt man ja auch, wie hinter dem Rücken Reaktionen passieren. Muss ja auch nicht nur in Meetings sein, das war nur ein Beispiel für Orte, an denen andere einen beim Schreiben sehen und dann eben auch auf Tinten oder Füllhalter aufmerksam werden.

@bella: bei meinen bisherigen IT Meetings waren zwar Laptops anwesend, aber meistens nur um noch was parallel daran nachzuschauen. Stift und Papier wurden meistens aber auch genutzt. Aber da du selber schreibst, dass es gewisse Farben gibt, die du noch nicht gesehen hast, muss es ja einen Grund dafür geben. Vielleicht ist dieser aber auch nur, dass blau und schwarz eben von irgendjemandem mal zum Standard gemacht wurden. Wenn ich so rückblickend an die Schulzeit denke, fällt mir aber auch auf, dass es meist nur die Mädels waren, die mit farbenfrohen Farben schrieben, während die Jungs bei königsblau oder schwarz hängen blieben..
Liebe Grüße
Michael

Stephan
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Stephan » 02.04.2015 12:17

Fiamma hat geschrieben:reicht doch schon, wenn sämtliche Schulfüller "geschlechtsspezifisch" sind :roll:

Zumindest die nächste Generation wird eindeutig konditioniert.
Ach, Fiamma, die Konditionierung erfolgt nicht durch die Füller, sondern durch die Ausschüttung der Geschlechtshormone im Mutterleib. In dieser embryonalen Phase entscheidet sich auch die sexuelle Präferenz und noch einiges anderes. Es gibt mittlerweile sehr viel solide Naturwissenschaft zur Ausbildung und Prägung des Gehirns in den verschiedenen Lebensphasen, und von den teils verheerenden Ergebnissen wird nicht nur dem deutschen Gendermainstreaming sondern auch anderen Bereichen wie z.B dem gängigen Schuldbegriff in der Kriminalistik der Boden unter den Füßen weggezogen.

Nebenbei: Was könnte neutraler sein als schwarz oder dunkelblau? ;) Die Firmen werfen auf den Markt, was die Kinder haben wollen.

uli61

Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von uli61 » 02.04.2015 12:26

Das mit den zugeordneten Farben war damals beim Fernmeldeamt auch so.
Wir Handwerker durften nur in schwarz schreiben,rot war für verbesserungen in irgendwelchen Plänen,blau schrieb unser Bezirksbauführer und grün war der Amtsleiter vom Fernmeldeamt.

Stephan
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Stephan » 02.04.2015 12:35

In meiner Kindheit wurde in der Schule die Farbe vom Ministerium vorgeschrieben.
Königsblau für die Schüler. Rot für Lehrerkorrekturen. Grün war, wenn ich mich recht erinnere, für Anmerkungen und Hinweise durch den Lehrkörper.
Der größte Stolz jedes Jungen waren rote wütende Absätze im Hausaufgabenbuch, in denen die Lehrerin alle Missetaten der Woche nebst der charakterlichen Defizite aufzählte.
Das mußte dann von den Eltern unterschrieben werden, was die Lehrer natürlich kontrollierten.
Einer brachte mal so einen Eintrag zurück: Die Eltern hatten die Rechtschreibung der Lehrerin korrigiert und mit einem bissigen Kommentar versehen. Dieser Klassenkamerad war wochenlang König, bis er sich beim Raufen auf dem Schulhof blamiert hat.
Wo ich bei Pleiten bin: Die DDR-Wirtschaft konnte natürlich nicht immer die benötigten Füllerpatronen in ausreichender Zahl liefern, so daß wir zwangsweise auch mal in grün, rot und sogar ein paar Wochen lang in gelb! mitschreiben mußten.
Das Grün war eine schöne Abwechslung und hat uns eigentlich immer gefallen.
Schwarz gab es seltsamerweise nie. Damit haben auch die Lehrer nie geschrieben.

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Benny
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Benny » 02.04.2015 12:38

Naja, sagen wir mal so... es kommt natürlich auch darauf an welcher Art Unternehmung man seine Arbeit verrichtet. Da gibts es Firmen die offener sind und auch solche, die konservativer sind. Bei mir ist es eher eine Mischung aus beiden. So nehme ich mir die Freiheit heraus auch Rot und sogar Lila zu verwenden. ABER ich achte immer darauf eine dunkle Variante zu wählen und keine Knallfarben. Bei den roten geht ein Diamine Syrah, Merlot oder Oxblood eigentlich schon. Diamine Sherwood Green und Diamine Bilberry ist da eigentlich auch problemlos und meine persönlichen Kandidaten. Meiner Erfahrung nach wird eher interessiert hingeguckt, als das sich jemand daran stößt. Ich würd halt nur knallbunte und poppige Farben nicht nehmen.
Gruß - Benny
---------------------------------
- einfach unverbesserlich -

uli61

Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von uli61 » 02.04.2015 12:41

Ich glaub,wir mussten deshalb in schwarz schreiben,weil schwarz sich besser kopieren läßt.
Wir mußten immer so einen "Tageszettel" ausfüllen um unsere Außendienstentschädigung zu kriegen.
Das Original wurde immer zum FA geschickt und eine kopie blieb zur Kontrolle im Baubezirk.

Fiamma
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Fiamma » 02.04.2015 13:01

Stephan hat geschrieben:
Fiamma hat geschrieben:reicht doch schon, wenn sämtliche Schulfüller "geschlechtsspezifisch" sind :roll:

Zumindest die nächste Generation wird eindeutig konditioniert.
Ach, Fiamma, die Konditionierung erfolgt nicht durch die Füller, sondern durch die Ausschüttung der Geschlechtshormone im Mutterleib. In dieser embryonalen Phase entscheidet sich auch die sexuelle Präferenz und noch einiges anderes. Es gibt mittlerweile sehr viel solide Naturwissenschaft zur Ausbildung und Prägung des Gehirns in den verschiedenen Lebensphasen, und von den teils verheerenden Ergebnissen wird nicht nur dem deutschen Gendermainstreaming sondern auch anderen Bereichen wie z.B dem gängigen Schuldbegriff in der Kriminalistik der Boden unter den Füßen weggezogen.

Nebenbei: Was könnte neutraler sein als schwarz oder dunkelblau? ;) Die Firmen werfen auf den Markt, was die Kinder haben wollen.
es ist also genetisch bedingt, dass kleine Mädis unbedingt einen rosa Füller wollen... und nur deswegen werden sie auch verkauft, oder wie?

Dass es gewisse Prägungen gibt, steht außer Zweifel, aber die Pinkifizierung ist keine Prägung sondern einfach ein unerfreulicher Trend.
Wenn einem Mädchen rosa gefällt, soll sie ihren Lilifee-Füller haben, wenn ein Mann in Magenta schreiben will, soll er. Problematisch ist a, dass es fast keine geschlechtsunspezifischen Schulsachen Spielzeug gibt, das Mädi also fast keine Wahl hat, b, gesellschaftlich diese Farbe als harmlos, nicht ernstzunehmen, un-männlich (also nicht gut) gilt.
Mit Genetik hat das nix zu tun...

Aber vielleicht verstehe ich als Frau das einfach nicht :P

Stephan
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Stephan » 02.04.2015 13:29

Nee, das ist nicht genetisch sondern neuronal bedingt. Während der Schwangerschaft kommt es zu Phasen, in denen der Embryo regelrechten Chemieflutungen ausgesetzt ist, also z.B. über die Nabelschnur aus dem Mutterleib mit Testosteron und Östrogen überflutet wird.
Die Zusammensetzung dieses Cocktails schlägt sofort auf das Hirnwachstum durch und erzeugt psychische Prägungen, die lebenslang sind. Aus dem Doping im DDR-Leistungssport weiß man, daß weitere Chemiebomben während Kindheit und Teenageralter, also in Phasen starkem Hirnwachstums, ähnliche Folgen haben, aber dann auch schwere körperliche Schäden verursachen.
Die psychologischen Geschlechtsunterschiede aber auch in geringerem Maße körperliche Geschlechtsmerkmale wie Schädelformen, Beckenwachstum, Brustgröße, Haarwuchs, etc. sind ziemlich solide auf diese Schwemmungen mit Körperchemie zurückgeführt.
Genetik spielt natürlich auch eine Rolle, liefert aber nur den Rahmen für natürliche Varianz.

Die Pinkifizierung (schönes Wort, man könnte auch vom Barbietrend sprechen) hat eingesetzt, als die Firmen erkannten, daß kleine Mädchen eine ernstzunehmende Kundschaft sind.
Vorher orientierte man sich bei Schulsachen an erwachsenen Männern. Die gaben vor, was pädagogisch sinnvoll zu sein habe. Seitdem die Firmen gelernt haben, daß man Schulsachen nicht über professorale Belehrungen sondern durch bettelnde Kinder an der Kasse verkauft, werden Eltern mit Comikhelden, Laserkanonen, Glitzerfimmel und rosa Einhörnern terrorisiert. :)
Man kann das ziemlich genau auf den Durchbruch von Barbie und moderner Marktforschung zurückführen.
Ein eng verwandtes Phänomen ist das skandinavische Gleichstellungsparadoxon. ;)

Illoran
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Illoran » 02.04.2015 13:55

Moin,

Ein paar meiner Lieblingsfarben sind derzeit Pelikan Amethyst, Iroshizuku Yama Budo und J. Herbin Rose Cyclamen. An der Diskussion mit jemandem darüber ob das nicht "schwule" Farben wären, wie es heute so schon heisst im neudeutschen, hätte ich glaub ich meine helle Freude. Wenns einem gefällt soll man es eben tun und sich nicht reinreden lassen =)

Eine ganz andere Sache sind natürlich offiziellere Akten und Schriftstücke. Die wird man vermutlich auch weiterhin in Blau, Blau-Schwarz oder Schwarz schreiben. Darüber hinaus häufig gerne noch mit Permanent oder Archivtinte, da sich die meisten schönen bunten Tinten meist mit einem feuchten Tuch von hochwertigeren glatteren Papieren (Clairfontaine, Rhodia) abwischen lassen.

Sofern diese Anforderungen aber nicht auf meine Schriftstücke zutreffen schreibe ich auch weiter in Hellblau, Türkis, Pink, Lila, Grün, Braun und was die Palette noch zu bieten hat =)

mfg Illo

Stephan
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Re: Geschlechterspezifische Farben oder No-Go Farben

Beitrag von Stephan » 02.04.2015 14:53

Es gibt aus der Tradition heraus ein paar ganz banale Gründe für dunkle Tinten.
Eisengallustinte war lange Zeit die beste Methode, wichtige Dokumente lesbar zu halten. Und das Zeug färbt nun einmal schwarz.
Ruß gab es in jedem Haushalt, und Ruß ergibt eine schwarze Tusche.

Schöne helle Kanzleien und Kammern waren ein Glücksfall. Auch bei großen teuren Fenstern war man von Sonne abhängig. Wurde es düster, oder mußte man mit Kerzen und Funzeln arbeiten - viel Spaß mit einer Tränentinte auf ungebleichtem Papier...
Helles Papier, tiefdunkle Tinte. Sonst kann man nix lesen. Und die schönsten teuersten Farben taugen nichts, wenn die Beleuchtung beim Lesen nicht paßt. Nachts sind alle Katzen grau.

Das hat die Tradition bei uns geprägt. Die vertrocknete Ästhetik von Mönchen und Protestanten hat diese Farbwahl dann auch noch modisch konserviert. Unser Konzept der Seriosität und Professionalität ist eng mit der demonstrierten Kenntnis beruflicher Traditionen verbunden, selbst wenn keiner mehr weiß, wo eine bestimmte Tradition eigentlich herkommt.

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