Lamy 27 retten?

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Unicorn
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Lamy 27 retten?

Beitrag von Unicorn » 16.07.2019 21:43

Hallo!

Ich habe "auf Verdacht" bei einem Onlineflohmarkt einen Lamy 27 gekauft. Im Nachhinein nicht meine beste Investition. Er ist leider in keinem so guten Zustand wie gehofft. Von äußerlichen Mängeln mal abgesehen, ist der Kolben recht schwergängig und die Feder nach unten verbogen.
Ich hab leider gar keine Erfahrung mit dem wieder in Gang bekommen von solch alten und schlecht gepflegten Füllern und auch kein spezielles Equipment wie einen Ultraschallreiniger von dem man hier ja oft liest. Die Frage ist jetzt: kann ich ihn selbst retten, zahlt es sich aus sowas einzuschicken oder sollte ich es als Lehrgeld verbuchen und ihn dem Füllerhimmel zuführen?

Danke für jeden Rat.
LG Corinna

SpurAufPapier
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Re: Lamy 27 retten?

Beitrag von SpurAufPapier » 16.07.2019 21:51

Hallo, dem Füllerhimmel bitte nicht, auf gar keinen Fall. Wenn alle Stricke reißen, hier im Forum ganz günstig als Ersatzteillieferant anbieten.

Aber ich würde behaupten (ohne mich selbst auszukennen), dass er mit den hilfreichen Tipps der hiesigen Koryphäen wieder instandzusetzen ist. Viel falsch machen kannst Du ja eh nicht, wenn er kurz vorm Füllerhimmel steht.
Grüße
Vikka

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desas
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Re: Lamy 27 retten?

Beitrag von desas » 16.07.2019 22:13

Bis zum Exitus ist es garantiert zu weit, um das einzukalkulieren.

Du wirst Kolben und Feder wieder hinbekommen, den Guten noch polieren und dann fleißig nutzen.
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TomSch
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Re: Lamy 27 retten?

Beitrag von TomSch » 16.07.2019 22:17

Hallo Corinna.

Ohne Bilder wird das schwierig, einen guten Tipp abzugeben. Ich probier's trotzdem.
    zerlegter27er.jpg
    zerlegter27er.jpg (102.86 KiB) 771 mal betrachtet
      1. Das Füller-Griffstück lässt sich beim 27er abschrauben.
      2. Dieses ins warme Wasserbad legen, ab und zu durchpusten und Wasser wechseln.
      3. den Korpus spülen, dann hoffen, dass die Mechanik ordentlicher und leichter funktioniert.

      4. Nach dem ausgiebigen Wässern des Mundstücks dieses in die eine Hand nehmen. Feder und Tintenleiter zwischen Daumen und Zeigefinger der anderen Hand und vorsichtig versuchen, Richtung Schraubgewinde zu schieben. Wenn das gelingt, lassen sich Feder, Tintenleiter (auf den ist die Feder nur aufgesetzt wie bei einem LAMY-AlStar) und ein kleiner Dichtungsring entnehmen. Alles in einem neuen Wasserbad spülen. Die Feder kann man einfach abziehen und mit einem weichen Holz zu schlichten/richten versuchen. Ist die Feder völlig verhunzt, stellst du hier bei den Gesuchen eines nach einer gebrauchten Feder ein.

      5. Die Kolbenmechanik beim 27er ist einfach nur hineingedreht. Wenn die Mechanik einigermaßen läuft und du den Stift einmal komplett säubern möchtest, kannst du den Kolben nach vorn bewegen, wie vor einem Tintenbefüllen. Beim Widerstand stoppst du jedoch nicht ab, sondern drehst weiter, bis dir die Mechanik entgegen kommt. Manchmal krnirscht es ein wenig im Gebälk, ähm, im Füller, was aber - wenn alles in Ordnung ist - nichts macht. Merk dir, wie die Mechanik zusammengesteckt war! Nach dem Säubern die Mechanik wieder neu justieren und einfach wieder hineindrehen.

      Viel Erfolg,
      Thomas
      Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.
      Dalai Lama

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      Re: Lamy 27 retten?

      Beitrag von Unicorn » 17.07.2019 7:57

      Hallo Thomas!

      Allein schon die Info dass das Griffstück abschraubbar ist, war mal hilfreich. Der Füller sah so nahtlos aus, dass ich das gar nicht gesehen hätte. Und es brauchte etwas Mut um das Gewinde mit Kraft zu lösen. Das Zerlegen habe ich jedenfalls mal geschafft und alles eingeweicht.

      Sollte der Kolben immernoch schwer gehen kann ich ihn mit Silikonfett aus einem meiner TWSBI Sets schmieren oder? Kann ich das von vorne, oder muss ich dazu den Kolben von hinten aufschrauben?

      Bild
      Das ist die Feder. Mal sehen ob ich die wieder hinbekomme.

      Ich bin jedenfalls wieder deutlich besseren Mutes als gestern. Danke euch Allen!

      Lg

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      Re: Lamy 27 retten?

      Beitrag von Nettermann » 17.07.2019 10:58

      Hallo Corinna,

      schau Dir mal dieses Video an.
      https://youtu.be/x7DQSJHSaHE

      Ist war ein Lamy 2000, aber der ist vom Aufbau identisch mit dem Lamy 27.

      Alles Gute und viel Erfolg.

      Michael
      "Grauschleier bedeutet keine Qualitätsminderung"

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      Re: Lamy 27 retten?

      Beitrag von TomSch » 17.07.2019 12:32

      Hallo, Corinna.
      Unicorn hat geschrieben:
      17.07.2019 7:57
      ... Sollte der Kolben immernoch schwer gehen kann ich ihn mit Silikonfett aus einem meiner TWSBI Sets schmieren oder? Kann ich das von vorne, oder muss ich dazu den Kolben von hinten aufschrauben?
      Das ist die Feder. Mal sehen ob ich die wieder hinbekomme. ...
      Zu deiner Frage 1: ja. Zu 2/3: prinzipiell ja/nicht unbedingt. Wie die Mechanik aufgebaut ist und entnommen werden kann, habe ich unter Punkt 5 beschrieben. Wenn du ihn schon auseinander nimmst, kannst du ihn auch komplett und gründlich reinigen. ;)
      Die Feder ist lediglich zu stark nach unten gebogen, sieht aber noch fit aus, schlimmstenfalls eine "ambulante Behandlung", kein Krankenhaus, erst recht kein Sterbebett! :lol:

      Viel Erfolg, Thomas
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      Re: Lamy 27 retten?

      Beitrag von Unicorn » 21.07.2019 10:33

      Ich danke euch allen ganz herzlich. Dir, Thomas für den Kleinen Schubs mich doch an die Mechanik zu wagen. Nachdem ich das von Michael verlinkte Video gesehen habe habe ich mich getraut alles auseinander zu nehmen.

      Ich hatte die Teile recht lange eingeweicht, den irgendwie "alten" Geruch des Gummistempels vom Kolben hab ich jedoch nicht entfernen können. Nachdem der aber in warmen Wasser und auch Spüli mehrfach übernachtet hat, hoffe ich dass da nichts mehr sein kann mit dem ich mir eventuell die Tinte kontaminiere.

      Nach dem Schmieren geht der Kolben wieder sehr schön und alles fühlt sich angenehm an.

      Die Feder bleibt mein Sorgenkind. Da werde ich mir wohl noch praktische Hilfe suchen müssen. Ich bekomm die nicht wieder schreibbereit.

      LG Corinna

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      Re: Lamy 27 retten?

      Beitrag von HeKe2 » 26.07.2019 0:12

      TomSch hat geschrieben:
      16.07.2019 22:17
      Hallo Corinna.

      Ohne Bilder wird das schwierig, einen guten Tipp abzugeben. Ich probier's trotzdem.
        zerlegter27er.jpg
          1. Das Füller-Griffstück lässt sich beim 27er abschrauben.
          2. Dieses ins warme Wasserbad legen, ab und zu durchpusten und Wasser wechseln.
          3. den Korpus spülen, dann hoffen, dass die Mechanik ordentlicher und leichter funktioniert.

          4. Nach dem ausgiebigen Wässern des Mundstücks dieses in die eine Hand nehmen. Feder und Tintenleiter zwischen Daumen und Zeigefinger der anderen Hand und vorsichtig versuchen, Richtung Schraubgewinde zu schieben. Wenn das gelingt, lassen sich Feder, Tintenleiter (auf den ist die Feder nur aufgesetzt wie bei einem LAMY-AlStar) und ein kleiner Dichtungsring entnehmen. Alles in einem neuen Wasserbad spülen. Die Feder kann man einfach abziehen und mit einem weichen Holz zu schlichten/richten versuchen. Ist die Feder völlig verhunzt, stellst du hier bei den Gesuchen eines nach einer gebrauchten Feder ein.

          5. Die Kolbenmechanik beim 27er ist einfach nur hineingedreht. Wenn die Mechanik einigermaßen läuft und du den Stift einmal komplett säubern möchtest, kannst du den Kolben nach vorn bewegen, wie vor einem Tintenbefüllen. Beim Widerstand stoppst du jedoch nicht ab, sondern drehst weiter, bis dir die Mechanik entgegen kommt. Manchmal krnirscht es ein wenig im Gebälk, ähm, im Füller, was aber - wenn alles in Ordnung ist - nichts macht. Merk dir, wie die Mechanik zusammengesteckt war! Nach dem Säubern die Mechanik wieder neu justieren und einfach wieder hineindrehen.

          Viel Erfolg,
          Thomas
          Danke Thomas für diese Anleitung. Dank ihr habe ich heute meine Beute aus der Bucht reanimiert.
          Lamy-27-30-3.jpg
          Lamy-27-30-3.jpg (91.92 KiB) 413 mal betrachtet
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          Lamy-27-30-1.jpg (33.13 KiB) 413 mal betrachtet
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          Lamy-27-30-4.jpg
          Lamy-27-30-4.jpg (58.76 KiB) 409 mal betrachtet
          Das war mein Erstlingswerk. Normalerweise hätte ich mich gar nicht getraut, so viel Kraft auf die Kolbenmechanik auszuüben. Aber temperiertem Ultraschallbad sei Dank, ging alles sehr gut. Eine wirklich gute Erfahrung, das hinbekommen zu haben. Und das Ergebnis hat jede Minute des Einsatzes gelohnt.

          P.S.:
          Eine Frage habe ich noch:
          Steht bei diesem Modell irgendwo die Federstärke angegeben?

          P.P.S.:
          Ich habe sie gefunden. Auf dem Griffstück steht ein "M". Für mich ist es eher eine feine M-Feder.
          Beste Grüße
          Hermann

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          Re: Lamy 27 retten?

          Beitrag von SpurAufPapier » 26.07.2019 1:50

          Herzlichen Glückwunsch, ein schöner Füller und ein gutes Stück selbstgetaner Arbeit!
          Grüße
          Vikka

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          Re: Lamy 27 retten?

          Beitrag von HeKe2 » 26.07.2019 10:01

          Danke!
          Zwischendurch habe ich auch einige Schweißausbrüche bekommen und das lag nicht nur an den gestrigen 42°C, die es hier hatte. Leider sind die Fotos nicht so wie von Zollinger. Ein Reprostativ und eine passende Kamera hätte ich ja, aber die Beleuchtung ist die Kunst, die ich nicht beherrsche und zu der mir das Material fehlt. Aber mit dem Füller bin ich sehr zufrieden.
          Beste Grüße
          Hermann

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