Perfekt? Ganz wie man´s nimmt. Ende der Sechziger wahrscheinlich der Opel Kadett unter den Schulfüllern, wenn es hochkommt. Wahrscheinlich eher der Ford Escort. Ja, genau der, mit den fetten Kedergummis und den etwas hochgesetzten Heckfenstern, die dem Wagen ein bisschen den Eindruck verliehen, als führe er die ganze Zeit mit hochgezogenen Schultern herum. In Dänemark war er deutlich häufiger zu sehen als auf westdeutschen Straßen. Nicht nur häufiger, sondern auch länger, denn in Dänemark galten damals Luxussteuern auf PKW, weswegen man in Dänemark sein Auto hegte, pflegte und fuhr, bis es auseinanderfiel. Für meinen Bruder und mich damals ein dauernder Quell der automobil-nostalgischen Freude.
So auch der Laurino Perfekt. Ob sich der Name auf die kleine italienische Gemeinde in der Provinz Salerno bezieht, darf bezweifelt werden. Immerhin klingt da laurus an, zu Deutsch Lorbeer, und damit begleiten ihn zarte Weihen, die sich hoffentlich nicht als Vorschuss-laurus herausstellten. Er ist gutmütig, mit Standard-Pelikan-Patronen zufrieden, zeigt eine annehmbare Schreibqualität und ist aus einem Kunststoff hergestellt, wie man ihn nur damals hinbekam. Sorgenfreies PVC mit einer Spur unzerstörbarer Weichmacher. Hart genug für einen dauerhaften Hochglanz, elastisch genug gegen Sprödbruch und Sturzschäden (solange er nicht auf der Feder landet). Warum die Feder unbedingt (zu mager) vergoldet sein musste, leuchtet mir nicht ein; ich empfinde da eher ein leichtes gestalterisches Missbehagen.
Schlank wie er ist, geeignet für Schülerhände, am Griffstück aber frei von pseudopädagogisch-orthopädischen Zwangsrillungen, Ergonomismen und dergleichen. Diese Art von Füller, die jahrzehntelang im Grabbelfach der Küchenschublade überwintern, um dann, wiederentdeckt, kurz durchgespült zu werden und umgehend wieder bereit sind für die nächste Runde, oder die nächste Generation, die es für eine Weile cool findet, mit einem Füller in der Schule aufzutauchen, den die anderen nicht haben. Fand ich damals auch, nur war es seinerzeit ein alter Montblanc. Times are a-changing.
Laurino Perfekt
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Re: Laurino Perfekt
P.S.: Der etwas aus der Facon geratene Tintenleiter ließ sich nach dem Baden mit kernigen Fingernägeln wieder auf die Originalposition bringen. Das war aber nach dem Fototermin, und jetzt ist Laurino ja wie gesagt schon in Händen der jüngeren Generation.
Discover Gold
hieß es Mitte der Neunzigerjahre in Bezug auf Kippen, und jüngst in Bezug auf den seriöseren, seine Verwandtschaft jedoch nicht verbergenden Bruder des Laurino Perfekt aus der höheren Schublade. Er musste zunächst etwas herumliegen, bis ich darauf kam, wie er einzusortieren ist. Man sucht nämlich jegliches Herstellersignet vergeblich. Der einzige schriftliche Hinweis ist gut verdeckt auf der Unterseite der Feder, nämlich die Punze „14 kt“. Ansonsten unterscheidet er sich vom Perfekt dadurch, dass er eine fein mattierte Metall-Schraubkappe hat.
Das Schreibverhalten ist unauffällig, aber untadelig. Die wesentlichen geometrischen Daten:
Länge 133 mm
Außendurchmesser Kappe: 11,5 mm
Durchmesser Schaft: 10,8 mm
Gewicht: 13,5 g (im Vergleich zum Perfekt, der wiegt nur 9,9 g)
Beides natürlich Patronenfüller. Unprätentiöse Vertreter der nivellierten Mittelstandsgesellschaft. Those were the days.
Das Schreibverhalten ist unauffällig, aber untadelig. Die wesentlichen geometrischen Daten:
Länge 133 mm
Außendurchmesser Kappe: 11,5 mm
Durchmesser Schaft: 10,8 mm
Gewicht: 13,5 g (im Vergleich zum Perfekt, der wiegt nur 9,9 g)
Beides natürlich Patronenfüller. Unprätentiöse Vertreter der nivellierten Mittelstandsgesellschaft. Those were the days.
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