Der 45 kam 1960 auf den Markt, als erster ernstgemeinter Patronenfüller aus dem Hause Parker. Es geht die Sage, seine Nummernbezeichnung sei eine Anspielung auf Colts legendäres Modell 45, welches ebenfalls mit Patronen geladen wurde - in Texas sicherlich ein Verkaufsargument. Das Design ist von Don Doman, der von vollkommen sicherem Terrain ausging, indem er die prägenden Elemente des erfolgreichsten Produkts aus dem Stall, des (überflüssig zu erwähnen) „51“ - farbiger Kunststoffschaft, gebürstete Metallkappe, Pfeilclip - beibehielt und in eine straffere, etwas kantigere Form brachte.
Der wesentliche, dem Konsumenten wohl gar nicht so bewusste Unterschied war die Produktionsmethode. Alle Kunststoffteile waren Spritzgussteile - wesentlich unaufwändiger, schneller und günstiger herzustellen als aus Stangenmaterial gedrehte Plexiglasteile. Durch die Umstellung auf Patronenbetrieb reduzierte sich die eigentliche Schreibtechnik auf Kollektor (mit angeformtem Patronenanstechrohr), Tintenleiter, Überwurfmutter, die gleichzeitig die Federkapuze darstellt und die Feder. Diese ist winzig. Die 14ct Goldfeder wiegt rund 0,27 g.
Feder, Kapuze und Tintenleiter lassen sich mit einem Handgriff abschrauben und aus dem Griffstück ziehen. Der Kollektor ist ins Griffstück eingeschraubt, was man erst am Demonstrator erkennen kann, und eigentlich nicht zum Ausbau bestimmt, jedenfalls weist er keinerlei Ansatz für ein entsprechendes Werkzeug auf.
Es gab den 45 zunächst als günstiges Einstiegsmodell, ausgestattet mit Edelstahlfedern. Später kamen höherpreisige Modelle hinzu, versehen mit Goldfedern, noch später Material- und Finishvarianten wie Flighter, Insignia und Coronet, aber auch der Arrow als Schulfüller mit Kunststoffkappe und breiter Farbpalette.
Was am Demonstrator interessant ist, ist der wortwörtliche Durchblick auf einige produktionstechnische Details:
- Die vier Sicken auf der Innenseite des Korpus‘, die für einen zentrischen Sitz der Patrone sorgen, aber verhindern, dass diese im Griffstück verkeilt
- Die Verstärkung des „Hecks“, die bei einigen späteren Varianten zum farblich oder materialmäßig abgesetzten End-Tassie wird
- Das Innengewinde ca. in der Mitte des Griffstücks, das für den korrekten Sitz des Kollektors sorgt
- Das mit blauem Wachs gedichtete Gewinde an der Spitze des Griffstücks (dieses Wachs fand sich bei allen mir als NOS vorliegenden 45ern)
Dem Demonstrator, augenscheinlich aus den frühen 1960ern, sieht man seine > 60 Jahre an. Vor allem im Griffstück, wo der Kollektor unter Spannung eingeschraubt ist, ist der Kunststoff durchsetzt mit Mikrorissen, auf den Fotos als „Beschlag“ erkennbar. Das Griffstück hat sich offenbar minimal geweitet; es gelang mir, den Kollektor auszubauen.
Die gebürstete Kappe findet ihren Abschluss in einer glanzverchromten Kappenschraube, deren Top konisch vertieft ist als formal schlüssiges Ende der Schiffchenform des Gesamtfüllers.
Statt mit Patronen ist der Demonstrator mit einem Quetschkonverter ausgestattet. Dieser hat die bauzeitliche Bauchbinde mit dem alten Parker-Logo.
Die Kappe ist gemarkt mit PARKER / MADE IN USA und dem Pfeilring-Logo. Ein Datecode findet sich nicht.
Parker 45 Demonstrator
Moderatoren: MarkIV, Zollinger, desas, Linceo, Lamynator
Re: Parker 45 Demonstrator
Irgendwie habe ich dem 45 nie viel Beachtung geschenkt. Aber der Demonstrator ist wirklich toll, vor allem mit dem Quetschkonverter hat er eine coole technische Anmutung. Vielen Dank für die Vorstellung, ich glaube, ich muss meinen drei 45 doch etwas mehr Zuwendung geben.
Viele Grüße
Bianka
"Blessed are the cheesemakers!" Monty Python
Bianka
"Blessed are the cheesemakers!" Monty Python
Re: Parker 45 Demonstrator
Das wäre ja wie den Nagel auf den Kopf zu treffen (und irgendwie ja auch Sinn dieses Forums): Bewusstsein zu Stiften zu stiften…
