Geha 410 & sein Klon

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Pelikano Modell zwo
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von Pelikano Modell zwo »

mondindianer hat geschrieben:
25.06.2026 12:42
Das sehe ich anders. Bereits in den 60er Jahren kam der Schneider P65 "Compactor" auf den Markt, eindeutig im Stil eines Pelikan- oder Geha-Patronenfüllers der Zeit.
Tatsache - das "P65" steht wohl für "Patronenfüller, Erscheinungsjahr 1965".

Gruß, Nobby
González
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von González »

Dieser Artikel macht klar, dass Schneider keine Schreibfedern herstellte, bevor es Heiko übernahm.
https://www.volksstimme.de/lokal/wernig ... den-682900
Weißt du, was Compactor ist? Es ist die brasilianische Tochtergesellschaft von Schneider. Dieses Modell, das auf dem Foto zu sehen ist, ähnelt sehr anderen von Compactor Brasilien. Es könnte sein, dass sie in Deutschland hergestellt wurden, um nach Brasilien zu exportieren, oder umgekehrt. Soweit ich weiß, stellte Compactor seine eigenen Füllfederhalter her.
Zufälligerweise habe ich gerade einen Compactor 01 bestellt, ein aktuelles Modell, das ich in Kürze rezensieren werde. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um diese Verbindung zwischen Schneider und Compactor Brasilien zu erklären.
Zu diesem Modell, das du auf dem Foto zeigst, befindet es sich in meiner KI-Recherche.

Hier ist eine kurze historische Klarstellung zur Beziehung zwischen Schneider und Compactor sowie zu der Frage, was Schneider vor 1991 tatsächlich hergestellt hat:

1. Das Missverständnis: Füllfederhalter vs. Kugelschreiber
Vor 1991 produzierte Schneider keine Füllfederhalter (Füller). Wer behauptet, dass Schneider in den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren eigene Füllfederhalter hergestellt habe, der irrt. Der Einstieg in den Füllhalter-Markt erfolgte erst 1991 durch die Übernahme des Schreibgeräteherstellers VEB Heiko in Wernigerode (Ostdeutschland).
Schneider produzierte jedoch sehr wohl Kugelschreiber: Das Unternehmen (gegründet 1938) startete nach dem Zweiten Weltkrieg mit Minen („Die gute Schneider-Mine“) und fertigte ab 1957 eigene komplette Kugelschreiber. Modelle wie der berühmte Schneider P65 oder die K-Serie aus den 60er Jahren waren reine Kugelschreiber (oder Tintenroller/Marker) – keine klassischen Füllfederhalter.

2. Die Verbindung zwischen Schneider und Compactor vor 1991
Die offizielle Exklusiv-Vertriebspartnerschaft in Brasilien wurde zwar erst 1991 besiegelt, aber die Firmen waren schon viel früher eng miteinander verflochten:
Der Einstieg erfolgte bereits 1967: Die Firma Compactor wurde 1954 in Brasilien von Paul Buschle und Reynaldo Bluhum gegründet. Im Jahr 1967 verkaufte Bluhum seine Anteile. Christian Schneider (Inhaber der Firma Schneider Schreibgeräte) erwarb diese Anteile und wurde somit schon 1967 Mitinhaber und Aktionär von Compactor.
Die Folge: Durch diese Firmenbeteiligung kam es in den 60er Jahren zu einem intensiven Technologie-, Patent- und Formenaustausch. Ein Modell wie der Schneider P65 Compactor war das direkte Ergebnis dieser frühen deutsch-brasilianischen Kooperation.

Zusammenfassend: Schneider stellte vor 1991 hervorragende Kugelschreiber und Minen her (oft in Kooperation mit Compactor), aber definitiv keine Füllfederhalter.
González
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von González »

Deutsche Füllfederhalter, Variante: Schneider P65 Compactor-Patent, Patronenfüller, schwarz, mit Stahlfeder in Stärke F (Fein).

(Kein deutscher Text vorhanden)

Dies ist ein Schneider-Füllhalter, hergestellt in Deutschland (Made in Germany) nach den Patenten des deutschen Herrn Buschle (Eigentümer von Compactor Brasilien) und seiner Marke Compactor.

https://www.penboard.de/shop/hlist/MIDE/VI60/0/setla=de
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mondindianer
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von mondindianer »

Hallo Gonzalez,
zunächst einmal Dank für die Aufklärung der Brasilien-Verbindung von Paul Buschle. Das bringt wieder etwas mehr Licht in diesen Teil der Füllergeschichte. Herr Buschle ist 1962 das Patent DE1187954 (1965 offengelegt) zu diesem Patronenfüller erteilt worden. Ausweislich der Prägungen im Clip sind die beiden Firmen Compactor und Schneider an der Herstellung beteiligt.
Clip mit Logos
Clip mit Logos
Kappe mit Logos.jpg (528.83 KiB) 113 mal betrachtet
Auch auf die Gefahr hin, diesen Faden zu sehr zu dehnen:
Was ich nicht verstehe ist, woraus du schließt, dass Schneider keine Füllhalter vor 1991 hergestellt hat. Die Feder ist mit Schneider geprägt, die Patronen mit farbigem Boden sind von Schneider (Gebrauchsmusteranmeldung von 1959), auf dem Korpus steht "Germany" als Produktionsland. Die haben einfach versucht, in den wegen der Stückzahlen lukrativen Schulfüllermerkt zu stoßen.
Hinweise auf Gebrüder Schneider
Hinweise auf Gebrüder Schneider
FederPatroneKorpus groß.jpg (537.03 KiB) 113 mal betrachtet
Du selbst lieferst doch die Belege dafür:
González hat geschrieben:
25.06.2026 14:06
[...]
Es könnte sein, dass sie in Deutschland hergestellt wurden, um nach Brasilien zu exportieren, oder umgekehrt. Soweit ich weiß, stellte Compactor seine eigenen Füllfederhalter her.
[...]
Die Folge: Durch diese Firmenbeteiligung kam es in den 60er Jahren zu einem intensiven Technologie-, Patent- und Formenaustausch. Ein Modell wie der Schneider P65 Compactor war das direkte Ergebnis dieser frühen deutsch-brasilianischen Kooperation.
um dann zu dem Schluss zu kommen
González hat geschrieben:
25.06.2026 14:06
Zusammenfassend: Schneider stellte vor 1991 hervorragende Kugelschreiber und Minen her (oft in Kooperation mit Compactor), aber definitiv keine Füllfederhalter.[/i]
Ganz wichtig dabei: ich möchte keine Haarspalterei betreiben, sondern tatsächlich die Zusammenhänge verstehen. Nach meinem Dafürhalten hat Schneider in Tennenbronn bereits in den 60er Jahren Patronenfüller im Spritzgussverfahren hergestellt. Sonderlich erfolgreich waren sie damit wohl nicht, auch nicht mit späteren Modellen.
Viele Grüße
Fritz
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Pelikano Modell zwo
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von Pelikano Modell zwo »

mondindianer hat geschrieben:
26.06.2026 17:05
Nach meinem Dafürhalten hat Schneider in Tennenbronn bereits in den 60er Jahren Patronenfüller im Spritzgussverfahren hergestellt. Sonderlich erfolgreich waren sie damit wohl nicht, auch nicht mit späteren Modellen.
Durch die große Konkurrenz Pelikan(o) und derzeit noch Geha hatten Schneider-Patronenschulfüller schlechte Karten, sich auf dem Markt durchzusetzen. Der P65 wirkte 1965 auch optisch zur Konkurrenz schon recht antiquiert.

Gruß, Nobby
González
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von González »

Hallo Nobby.

Zunächst einmal danke ich dir für deinen Beitrag zu diesem Thread. Er ist äußerst wertvoll, um die Geschichte von Schneider als Hersteller von Füllfederhaltern zu verstehen.

Ich hatte gesagt, dass Schneider bis zum Kauf von Heiko kein Hersteller von Füllfederhaltern war, weil ich mich bis zu diesem Zeitpunkt auf einen Artikel stützte, der genau das besagte:

„Trotz der Insolvenz war das Werk in Wernigerode für andere Unternehmen interessant. Insbesondere die Patente und das Know-how im Bereich des Tintenleitsystems für Füllhalter weckten das Interesse. Im Jahr 1991 kaufte die Schneider Schreibgeräte GmbH aus Schramberg, ein Unternehmen, das bis dahin hauptsächlich auf Kugelschreiber spezialisiert war und keine eigene Füllhalter-Produktion hatte, Teile des Betriebs von der Treuhandanstalt. Dies war ein strategischer Schritt für Schneider, um in den Markt für Füllfederhalter einzusteigen.“
(Quelle: https://latus-buerobedarf.de/ddr-kugelschreiber/)

Im weiteren Verlauf des Threads kamen dann deine Anmerkungen und die von Fritz hinzu. Dabei ist mir aufgefallen, dass die P65 den brasilianischen Compactor-Modellen aus den 60er Jahren sehr ähnlich ist, und ich habe herausgefunden, dass es damals eine Zusammenarbeit mit Schneider gab. Nach meiner Auswertung der verfügbaren Quellen hat Schneider dieses Modell tatsächlich in Deutschland gefertigt und dabei einige Verbesserungen gegenüber dem brasilianischen Pendant eingeführt, das seine Produktionskosten wohl an die Kaufkraft in Brasilien anpassen musste. Das brasilianische Modell kam ohne Kartuschen aus, und ich weiß nicht, ob es davon später eine weiterentwickelte Version gab.

Meine Hypothese ist, dass Schneider Füllhalter nur für eine relativ kurze Zeitspanne produzierte. Die P65 dürfte in den 70er- und 80er-Jahren bereits veraltet gewesen sein, weshalb Schneider sie wahrscheinlich aus dem Programm nahm. Ich habe jedenfalls kein einziges Vintage-Modell von Schneider aus der Zeit zwischen 1970 und 1991 finden können.

Ich gehe daher davon aus, dass Schneider in der Übernahme von Heiko die Chance sah, ein echter Füllhalter-Hersteller zu werden – und zwar unabhängig von fremden Patenten. Mit dem Kauf gingen die Patente von Heiko in den Besitz von Schneider über.

Die Geschichte hat aber noch eine interessante Wendung. Ich habe ein Modell von Compactor („Pluma“) und ein weiteres von Schneider entdeckt, die der Geha ähneln und dieser These neue Nahrung geben. Bei beiden handelt es sich offenbar um Weiterentwicklungen des Heiko Primus. Bei der Schneider-Version, die durchsichtig ist, fällt ein längeres Tintenleitersystem auf als beim ursprünglichen Geha-Modell. Ich vermute, dass es sich dabei um das heute noch von Schneider verwendete System handelt.

Hier die Links zu den besagten Modellen:
Schneider Clear: https://www.ebay.com/itm/227300720021
Compactor Pluma: https://rj.olx.com.br/rio-de-janeiro-e- ... 1506900886


Gruß, Miguel
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von Spessartschreiber »

González hat geschrieben:
25.06.2026 14:06

Zusammenfassend: Schneider stellte vor 1991 hervorragende Kugelschreiber und Minen her (oft in Kooperation mit Compactor), aber definitiv keine Füllfederhalter.[/i]
Ich habe Anfang der 80-er Jahre studiert und weite Teile der Vorlesungen mit diesem Schneider Schulfüller mitgeschrieben.
Oder halluziniere ich jetzt...?
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Schneider.jpg (798.77 KiB) 83 mal betrachtet
González
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von González »

Spessartschreiber hat geschrieben:
26.06.2026 18:52
González hat geschrieben:
25.06.2026 14:06

Zusammenfassend: Schneider stellte vor 1991 hervorragende Kugelschreiber und Minen her (oft in Kooperation mit Compactor), aber definitiv keine Füllfederhalter.[/i]
Ich habe Anfang der 80-er Jahre studiert und weite Teile der Vorlesungen mit diesem Schneider Schulfüller mitgeschrieben.
Oder halluziniere ich jetzt...?
Hallo,
ich möchte dir nicht widersprechen, aber die Daten, die ich habe, stimmen nicht mit deiner persönlichen Erfahrung überein. Es gibt ein YouTube-Video, das besagt, dass das Modell, das du auf deinem Foto zeigst, aus den frühen 90er Jahren stammt. Außerdem bestätigt Schneider selbst auf seiner Website, dass das Logo, das dein Füller trägt, in den 90er Jahren eingeführt wurde.

„In den 90er Jahren zierte erstmals ein neues Logo die Stifte und die verschiedenen Werke der Firma Schneider.“
https://schneiderpen.com/de/unternehmen ... geschichte


SCHNEIDER School Fountain Pen Review, This is a video review of a school fountain pen made in Germany in the early 1990s.
https://www.youtube.com/watch?v=HCVKsZXLfyc
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pradella2
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von pradella2 »

Die historischen Fotos und Werbeanzeigen, die man auf der Schneider-Homepage findet, sind reizend! Auf einer geradezu rührend gereimten und gezeichneten Anzeige schätzungsweise aus den Sechzigerjahren verschenkt das Schneider-Männle einen Patronenfüller, und zwar an Frieder.
IMG_5103.jpeg
IMG_5103.jpeg (242.86 KiB) 53 mal betrachtet
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Pennino
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Re: Geha 410 & sein Klon

Beitrag von Pennino »

Danke, sehr schön.
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