Castello 53 VT

Johann Faber, A.W. Faber, Faber-Castell

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pradella2
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Castello 53 VT

Beitrag von pradella2 »

"Ich bin nun tausend Jahre alt und werde täglich älter / der Gotenkönig Theobald erzog mich im Behälter." Diese Zeile aus dem "Lied der Schildkröte" von Christian Morgenstern assoziiere ich unkontrollierbar, jedoch zuverlässig, wenn ich das Wort "Behälter" lese. Dazu ist nun vermehrt Gelegenheit, denn einem siffigen, schlecht fotografierten Konvolut, bei Kleinanzeigen ins Netz gegangen, entstieg nach Balneationstherapie und gänzlicher Zerlegung ein schmucker Castello 53 VT, und zwar in der eher seltenen Version für den dänischen Markt, deshalb auch nicht als "Ventiltank" (VT) beschriftet, sondern als "MED EKSTRABEHOLDER". Ersteres ist zutreffender, denn natürlich hat dieser Kolbenfüller nur einen Tank, der wird aber durch einen sinnig konstruierten Doppelkolben mit rot akzentuierter Mitnehmerscheibe in einen Haupttank und eine Reserveabteilung unterteilt. Näheres zur Entwicklung dieses Prinzips und den damit verbundenen Patenten findet sich hier im Forum unter viewtopic.php?f=9&t=37247&start=15.

Das Schöne am Castello 53 VT ist, dass man der Mechanik durch die insgesamt drei Sichtfenster bei der Arbeit zuschauen kann. Das übliche Haupt-Tintenfenster reicht attraktiverweise über das Kappengewinde hinaus bis ins Griffstück. Bringt man den Kolben in die äußerste Auslage, fahren erst der rote Mitnehmer, dann die beiden aneinandergedrückten Kolben am Fenster vorbei. Dreht man die Füllschraube dann in Befüllrichtung, zieht zunächst der Hauptkolben Tinte in den Zwischenraum zur losen Kolbenscheibe, bis diese beim Weiterdrehen vom Mitnehmer erfasst und ebenfalls zurückgezogen wird und dabei den Tank gänzlich füllt. Anschließend schreibt man den Haupttank leer. Währenddessen kann man durch die beiden gegenüber voneinander angeordneten Zusatz-Sichtfenster die lose Kolbenscheibe und die zwischen ihr und dem Hauptkolben gefangene Tintenreserve erkennen. Sobald der Haupttank leergeschrieben ist und die Feder trockenfällt, dreht man die Füllschraube eine Dreivierteldrehung in Richtung Auslage. Dazu ist auf dem Schaftende ein Pfeil eingeprägt, der die Drehrichtung anzeigt, außerdem ist ein Kreis je zur Hälft im Schaftende und der Füllschraube eingeprägt, dessen beide Hälfte bei ganz aufgezogenem Normalzustand gegeneinander versetzt liegen und durch Drehen der Füllschraube um besagte ca. Dreivierteldrehung zur Deckung kommen und damit verdeutlichen, dass man weit genug gedreht hat. Das ist für die Gläubigen. Die Aficionados beobachten den spannenden Akt der Reservefreigabe natürlich durch alle zur Verfügung stehenden Sichtfenster und können miterleben, wie der Hauptkolben ein Stück Richtung Feder fährt, die lose Kolbenscheibe hingegen in ihrer Position verharrt und der Hauptkolben die bis dato im Zwischenraum verwahrte Tintenreserve in den Haupttank zurückpresst. Sie fließt seitlich an dem - gegen die Kolbenwand nur mit einer schmalen Ringdichtung heranragenden - Nebenkolben vorbei. Der Castello 53 VT ist nun für die letzten Worte gerüstet.

Mit 13,6 g unbetankt ist er geringfügig leichter als der gleich große Geha 700 Schulfüller, dem er in Sachen Reserve Konkurrenz machen sollte. Beide haben außerdem einen Tonfa-Clip, der Castello allerdings ohne Markenzeichen, dafür mit scharfer Bügelfalte. Die vergoldete Edestahlfeder trägt einen FABER CASTELL Schriftzug, das Osmia-Logo (Karo im Kreis), und hat ein sehr anständiges Schreibkorn. Im Gegensatz zu den mir bekannten für den Deutschen Markt produzierten Castellos hat diese dänische Version keine eingeprägte Modellbezeichnung (53 VT) und keine Bezeichnung der verbauten Federstärke, trägt aber am Schaftende die Gravur "Formskrift 3".
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TomSch
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Re: Castello 53 VT

Beitrag von TomSch »

Heidewitzka.

Das ist mal eine Vorstellung! Bislang war mir der Castello 53 als SF für den deutschen (Schüler-)Markt mehrfach bekannt, da in meinem Besitz befindlich:
mit breiterem und schmalerem Kappenband, breiterer und schmalerer Grünzone im Griffstück, Schraub- und Steckfeder, in ihrer Ähnlichkeit leicht unterschiedlichen Clips, aber allesamt "normale" Kolbenfüller: solide, verlässlich, in der Regel reparierbar.
Das hier gezeigte, modifizierte Kolbensystem kannte ich bislang nur von Brause im 3032: den Zweistufentank. :idea:

Wieder wat gelernt. Danke für den informativen Artikel.
Thomas
Sei nicht so; sei anders.
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Strombomboli
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Re: Castello 53 VT

Beitrag von Strombomboli »

Oh, der ist toll. Und sieht aus wie neu, Wahnsinn. Es ist sehr schade, daß man hier keine Videos posten kann, denn diese Befüllungsvorgänge (Haupt- und Extrabehälter) würde ich gerne mal sehen. Ich hoffe, du bringst ihn zum Pelikan Hub mit!
Iris

Mein Avatar ist ein Gemälde von Ilja Maschkow (1881-1944): Selbstporträt; 1911, das in der neuen Tretjakow-Galerie (am Krimskij Wal) in Moskau hängt, wo ich es fotografiert habe.
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