Der Füller, der nie schreiben wird

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mondindianer
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Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von mondindianer »

Eine echte Kuriosität:

Ein Bekannter hat mir einen Füller gegeben, der bei ihm nicht schreiben will. Der Kolben zieht Tinte, der Füller ist komplett sauber, aber er schreibt nicht.
Es ist ein Tropen 1000 mit einer maximal verdeckten M-Feder von Rupp:
Tropen 1000 kpl.jpg
Tropen 1000 kpl.jpg (128.7 KiB) 262 mal betrachtet
Den Grund für die fehlende Performance kann man hier schon ahnen, deutlicher wird es beim Zoom auf das Griffstück:
Tropen 1000 Griffstück.jpg
Tropen 1000 Griffstück.jpg (128.18 KiB) 262 mal betrachtet
Die Federschenkel sind ungleich lang, das Schreibkorn ist nur auf einem Schenkel angelötet. Ursächlich hierfür ist wohl die Lage des Schlitzes:
Tropen 1000 Feder.jpg
Tropen 1000 Feder.jpg (185.23 KiB) 262 mal betrachtet
Der Schlitz trifft nicht mittig auf das Luftloch, sondern ist seitlich versetzt.
In dieser Anordnung wird keine Tinte auf das Papier gebracht, und es läuft auch keine Tinte aus dem Tintenleiter nach.

Was uns das lehrt: ein Iridium Point reicht nicht aus, es müssen mindestens zwei sein :)

Ich habe den Füller gegen einen Lamy 27-30 getauscht - jetzt ist der Mann richtig glücklich.
Viele Grüße
Fritz
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TomSch
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Re: Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von TomSch »

Tach zusammen, hallo Fritz,

klingt brutal, isses auch, doch könnte für den Füller ein Startimpuls sein:
andere Iridiumkornhälfte vorsichtig mit der Knieptang beseitigen
und det jannze mittels Micromesh auf M-Stub umschleifen. :twisted: :idea: :mrgreen:

Tschö und viel Erfolg bei der OP,
Thomas
Sei nicht so; sei anders.
Crovax
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Re: Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von Crovax »

Autsch, da hat aber einer nicht aufgepasst. Normalerweise wird das Iridiumkorn an die Feder gelötet und danach mit einer Diamantsäge der Schlitz gesägt. Wenn da aber einer so schlecht zielt.
Die Qualitätskontrolle hat hier gründlich versagt.

Das ist vermutlich auch nicht die Originalfeder.
Bei den Tropen-Füllern steht in der Regel "Tropen" drauf oder das Degussa-Logo.
Bei meinen Scholars steht sogar "Tropen Scholar" drauf.
Allerdings habe ich keinen 1000er und kann da nicht nachschauen.
Vielleicht hat Tropen diese Federn auch von Rupp zugekauft.
Es sollte sich aber etwas passendes als Ersatz finden lassen.
gruß
stephan

Let grammar, punctuation, and spelling into your life! Even the most energetic and wonderful mess has to be turned into sentences.” ― Terry Pratchett
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mondindianer
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Re: Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von mondindianer »

TomSch hat geschrieben:
07.09.2026 22:47
Tach zusammen, hallo Fritz,

klingt brutal, isses auch, doch könnte für den Füller ein Startimpuls sein:
andere Iridiumkornhälfte vorsichtig mit der Knieptang beseitigen
und det jannze mittels Micromesh auf M-Stub umschleifen. :twisted: :idea: :mrgreen:

Tschö und viel Erfolg bei der OP,
Thomas
Das wird aber eher ein Fehlstart werden: die Feder schaut nur 3 Millimeter aus dem Griffstück heraus, das meiste davon ist Schreibkorn. An so eine Bonsai-Feder müsste schon ein echter Nibmaster 'ran :)
Crovax hat geschrieben:
07.09.2026 23:07
[...]
Das ist vermutlich auch nicht die Originalfeder.
[...]
Na, das muss aber ein Spaßvogel gewesen sein, sehenden Auges so eine Feder zu tauschen :)
[...]
Bei den Tropen-Füllern steht in der Regel "Tropen" drauf oder das Degussa-Logo.
Bei meinen Scholars steht sogar "Tropen Scholar" drauf.
Allerdings habe ich keinen 1000er und kann da nicht nachschauen.
Vielleicht hat Tropen diese Federn auch von Rupp zugekauft.
[...]
Zwei Tropen Scholar haben ebenfalls die "Scholar"-Prägung, zwei andere aber auch Rupp-Federn. Meine Tropen Gold haben alle Degussa-Federn. Also ja, Tropen hat wohl Federn zugekauft.
Viele Grüße
Fritz
Frodo
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Re: Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von Frodo »

Hi Federfreunde
Das untenstehende Foto zeigt eine solche "Diamantsäge". Tatsächlich werden Federn mit sehr dünnen Schleifscheiben aus Hartgummi, die mit sehr harten Schleifmitteln beschichtet sind, geschlitzt. Diamantstaub ist da nicht drin, zu teuer, da sich die Scheiben selbst schnell abreiben. Die filigranen Plättchen erhalten ihre Festigkeit eine genau definierte glatte Line zu erzeugen, durch das enorme Trägheitsmoment bei etwa 10000 Umdrehungen pro Minute. Das kann, je nach Durchmesser eine lineare Geschwindigkeit von etwa 180 Km/h an der Schneidekante ergeben. Die Apparatur ist fest justiert: Der Federträger ist fest mit arretieren Schwalbenschwanznuten am Sockel angebracht. Die Schleifscheibe dreht sich frei und wird, wenn sie ausgewechselt werden muss, auf dem Aluminiumkopf aufgeschraubt. Dann: Finger weg!! Zur Feinjustierung werden vorher Probeläufe gemacht. "Schlecht gezielt" fliegt sofort auf den Müll, wenn es sich nicht um Goldfedern handelt. Stahlfedern, die beim Bearbeiten oder beim Transport runterfallen, bleiben in der Regel auf dem Boden liegen und werden zusammengekehrt. Wenn Dreck in den Produktionsprozess eingetragen wird, wäre das erheblich schlimmer !
Ich glaube auch nicht, dass es sich um die Originalfeder handelt. Der Fehler wäre bei der Endmontage aufgefallen und Tropen hatte so viele Füller produziert, dass die sich auch eine eigene Federpunze hätten leisten können. Im Übrigen waren aber Rupp Federn ganz hervorragend, wunderbar flexibel.
Noch was zum Allgemeinwissen: Federkörner wurden seit vielen Jahren nicht mehr gelötet!
Am Loch in der Feder bilden sich kleine Luftbasen, die dann durch den breiten Kanal des Tintenleiters in den Tank zurückströmen. Die Blasen müssen eine bestimmte Größe habe, dass sie sich, entgegen der Grenzflächenspannung, ablösen können. Man sieht das schon häufiger, dass das Atemloch nicht zentrisch durch den Mittelschnitt getroffen wird. Es könnte sein, dass durch eine bewusste Asymmetrie ein Ablösen der Blasen begünstigt wird.
Eine Reparatur dieser Feder ist unwirtschaftlich.
Die Übergabe der Tinte vom Tintenleiter findet nicht am Atemloch sondern an der Spitze des Tintenleiters statt sondern etwa in der Mitte zwischen Loch und Federspitze statt. Bei flexiblen Federn hebt der Federkörper kurzzeitig vom Tintenleiter ab. Die Oberflächenspannung der Tinte erhält aber die nötige Brücke zwischen Federunterseite und Tintenleiter. Fettreste durch "ölen" des Kolbens oder das herumknubbeln an der Feder mit bloße Fingern kann dieses empfindliche Gleichgewicht stören.
Die Maschine stand jetzt etwa 12 Jahre in einem Schuppen. Mal sehen, wie ich den Rost runterkriege.
Gruss Frodo
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pradella2
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Re: Der Füller, der nie schreiben wird

Beitrag von pradella2 »

Das ist High Voltage Rock `n` Roll. Danke für die anschauliche, sachkundige Beschreibung! Und lass die Foristi bitte am weiteren Schicksal der Schlitzsäge teilhaben.
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