Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

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JulieParadise
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Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 17.03.2019 11:48

Achtung, jetzt wird's hässlich:
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Diese Feder(einheit) ist übel gestürzt, wohl gar nicht tief und sogar auf Karton, aber die Feder hat es ziemlich schlimm erwischt. Man sieht auf den Nahaufnahmen unten ganz gut, wie es das Material mitgenommen hat.

Ein Freund hat mir gestern diese Feder mitgegeben; viel Hoffnung hatten wir beide nicht, aber versuchen kann man es ja mal, diesen armen Patienten wieder herzurichten.

Nach einer kurzen Suche bei YouTube habe ich dieses so kurze wie hilfreiche Video von Shawn Newton gefunden: www.youtube.com/watch?v=Owm60Zr-8vc. Der Trick, um die Feder der Vanishing Point / Capless-Modelle vom Tintenleiter zu ziehen, ist simpel. Man klebe ein Stück Klebeband/Tesa über die Feder und kann sie so ganz leicht abziehen.

Die Schenkel habe ich dann einfach wieder nach Augenmaß halbwegs zurechtgebogen, dann noch die gröbsten Dellen, die verhinderten, dass sie plan auf dem Tintenleiter aufliegen, mit einem Löffelgriff "eingeebnet" und dann die letzten Feinheiten mit aufgesteckter Feder zurechtgebogen.

Da meine metallurgischen Erfahrungen ... naja, quasi nicht existent sind bis auf die von einigen Goldfedern herrührende Erkenntnis, dass man diese erstaunlich weit und leicht zurechtbiegen kann, habe ich zwar beim Zurechtdrücken der Federspitze wenig Hemmungen gehabt, aber mich dann doch nicht getraut, fester auf die aufgeplatzten Stellen auf der Oberseite direkt vor dem Schreibkorn dem zu gehen. Jemand mit mehr Erfahrung kann dort sicher auch die Oberfläche noch weiter wieder herstellen, auch optisch, oder?

Einen kleinen Grat habe ich beim noch Schreiben gespürt, nachdem ich beschlossen hatte, dass jetzt ein guter Kompromiss zwischen Tintenfluss, glatter Spitze und Linienbreite erreicht war. Diese kleine Irritation habe ich dann auf einer Nagelpolierfeile beseitigt. Jetzt schreibt die Feder satt und weich; eine recht breite M, die sich (aus der rein subjektiven Erinnerung) genau so anfühlt wie meine M-Feder, bevor ich sie schmaler geschliffen habe.

Das Ergebnis ist optisch immer noch mitleiderregend, das Schreibgefühl ist aber tadellos, zuverlässig, satt und weich. Ein Happy End also. :P
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Tintania
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von Tintania » 17.03.2019 12:17

Ich bin total beeindruckt :D
Dass man eine Feder, die so eindrucksvoll die Grätsche gemacht hat, wieder schreibbereit kriegt, hätte ich nicht geglaubt. :o

Danke für die Vorstellung!

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JulieParadise
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 17.03.2019 12:27

Danke! Perfekt ist sie noch nicht, jedenfalls optisch, aber ziemlich toll schreiben kann sie jetzt wieder.
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von TomSch » 17.03.2019 13:25

Liebe Sina,

eigentlich bin ich ein friedliebender Mensch, aber zu dem Eröffnungspost muss ich dir einen satten Vorwurf machen: beim nächsten Mal bitte die Schriftgröße der Warnung mindestens auf 24 und fett, danach BITTE mindestens 20 Leerzeichen, sodass der Gruselschocker noch außerhalb des Betrachter-Blickes liegt! :x Dann mag jeder selbst entscheiden, ob er sich diesen körperlich nachempfindbaren Qualen masochistischerweise aussetzen möchte oder nicht. --- :shock:
Das grenzt ja schon an Sadismus! :twisted:

Ich arbeite bei Glättversuchen oft mit einem Falzbein, einem Bambusstab oder einem "weichen Hartplastikgriffel", Metall ist mir zu mutig. Hast du gut wieder hinbekommen! ;)

Tschö, Thomas
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 17.03.2019 14:50

Hehe :twisted: Sei froh, dass ich die Biege-Bilder nicht gepostet habe. ;)

Ja, der Tipp mit den sanfteren Geräten zum Austreiben der Dellen ist gut, Falzbein, Schaschlikholz etc. waren aber leider irgendwie nicht so perfekt geformt und wirksam. Dann nehme ich halt, was da ist ...

Kann man denn die geborstene Oberfläche am Knick noch etwas retten, mit Auf-/Andrücken?

Ich hatte erst einmal einen Punkt erreicht, an dem die Schreibfähigkeit sichergestellt ist - Erleichterung! - und musste dann gg. 1:50 Uhr nachts auch aufhören, würde dat Ding aber gern noch etwas nachbearbeiten.

Was sagen die Experten?
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von TomSch » 17.03.2019 15:02

Hi, Mrs. "HeHe".

Dein derzeitiger Stand ist auch meine Expertise. Die Kerben würde ich einem Experten überlassen. Ich fürchte fast, dass man dazu entweder das Material schleifen (wobei die Materialtiefe der Kerbe leider nicht ersichtlich ist) und/oder die Feder entsprechend erhitzen muss. :oops:

Thomas
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von Zollinger » 17.03.2019 15:11

ich bin weit davon entfernt ein experte zu sein, habe aber auch schon die eine oder andere feder wieder hingekriegt. ich würde sagen dass das kein schlechter anfang ist, trotzdem muss die feder nochmals vom tintenleiter runter wenn mann die spuren vollständig beseitigen möchte. genauso wichtig wie das werkzeug zur bearbeitung ist die unterlage! die muss hart und glatt sein und bevorzugterweise die form der feder aufweisen. ich benütze dazu einen mini-amboss aus poliertem cn-stahl. ebenso die glättwerkzeuge, sie müssen makellos polierte arbeitsenden aufweisen.
bei besonders tiefen dellen hilft dann nur noch schleifen und polieren. diese möglichkeit entfällt in diesem fall aber, da die feder patiniert ist.
mich persönlich stört beim aktuellen stand vor allem der federschlitz, welcher unterschiedliche breiten aufweist. das sollte man noch korrkigieren.
vorsicht: beim glätten muss man aufpassen dass die lötstelle zum korn nicht beschädigt wird. liegt der knick genau da wirds schwierig... ausserdem werden beim glätten die federschenkel leicht gestreckt, also aufpassen dass dies gleichmässig passiert, sonst gibts's ein hinkebein dass ständig kratzt.
ach ja, noch was: keine hitze!! ansonsten ist das korn gleich ab.
z.
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stift
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von stift » 18.03.2019 9:57

Hallo
Ich habe schon die Federschenkel mit ganz kleine Zangen gebogen,aber glaubt mir da habe ich nicht einmal schon Blut geschwitzt.
Alte Federn sind tlw. fast nicht mehr zu ersetzten und muss aufpassen das einen das Korn nicht davon fliegt.
Feder schlichten ist immer eine Mutprobe wert hahahahaha.
Sina hat das ganz gut hinbekommen ;)
Liebe Grüße
Harald
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 18.03.2019 13:11

Zollinger hat geschrieben:
17.03.2019 15:11
ich würde sagen dass das kein schlechter anfang ist, trotzdem muss die feder nochmals vom tintenleiter runter wenn mann die spuren vollständig beseitigen möchte. [...]
Danke ihr Lieben, für die tollen Tipps und die Aufmunterung. Na, und dass einer wie Zollinger nicht auf halber Strecke stehenbleibt, hätte ich ja wissen müssen ... was frag ich auch? ;)

Jetzt muss ich also noch mal ran, dabei war das so schon sehr aufregend vorgestern. Immerhin weiß ich jetzt, dass bisher nix gebrochen ist und wohl auch bei den letzten Mü-Metern eher nicht passieren wird. 80° weit biege ich dann ja nicht noch einmal.
Zuletzt geändert von JulieParadise am 18.03.2019 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 18.03.2019 13:12

stift hat geschrieben:
18.03.2019 9:57
Feder schlichten ist immer eine Mutprobe wert hahahahaha.
Sina hat das ganz gut hinbekommen ;)
Danke, da freue ich mich ganz besonders drüber, lieber Harald!
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von Zollinger » 18.03.2019 13:32

JulieParadise hat geschrieben:
18.03.2019 13:11
... was frag ich auch? ;)
Ja, tut mir leid. Ich wollte Deine Arbeit nicht kritisieren. Aber wie gesagt, die Unterlage ist genau so wichtig wie das werkzeug. In deinem Fall z.B. würde ich einen Rundstahl in der geeigneten Grösse verwenden. ich nehme immer Durchschläge dafür
3350.jpg
3350.jpg (63.17 KiB) 794 mal betrachtet
und befestige die Feder mit einem Klebeband am federfuss darauf. Den Durch schlag kann man dann bequem im Schraubstock fixieren und an der Feder arbeiten. Etwa so:
Federn glätten.jpg
Federn glätten.jpg (215.57 KiB) 796 mal betrachtet
Bei der Bearbeitung der Rückseite brauchst Du dann eine Unterlage mit Absatz resp. Kante, damit das Federkorn nicht abgedrückt wird.

Hoffe das hilft weiter.

Z.
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von JulieParadise » 18.03.2019 13:39

Lieben Dank nochmals! Tja, aber das Werkzeug ... mein Mann mag seine Gerätschaften nicht rausrücken, da werde ich wohl was improvisieren müssen, zumal die Feder der Capless ja wirklich winzig sind.

Mal sehen, wann ich wieder Mut finde. (Freitag ist schon Übergabe, arrghh!)
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von Zollinger » 18.03.2019 13:44

hast du eine stricknadel in cns? das würde ev. auch gehen. Und als werkzeug das hinterteil einer häkelnadel...
könnte klappen, zudem schreiben tut er ja.
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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von eisbaer-kiel » 18.03.2019 13:47

Lieber Zollinger,
ich grätsche hier mal mit einem Dankeschön für die gezeichnete Anleitung rein. Ich finde so etwas sehr hilfreich.
Viele Grüße
Manfred

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Re: Pilot Capless / Vanishing Point: Wiederherstellung nach Unfall

Beitrag von Zollinger » 18.03.2019 13:53

Gerne Manfred.

Ich komme gerade von youtube.... Hier eine Anleitung wie man es NICHT machen sollte:

https://www.youtube.com/watch?v=x_KSfptiVhs

1. Niemals mit einer Stahlzange an einer Feder anpacken. Bei einer Stahlfeder gibt das üble Macken. Eine Goldfeder...kann man danach wegschmeissen.
2. Im zweiten Teil (ab Minute 5), dachte ich jetzt kommt's, das mit dem Glätten .... und dann fängt er an auf der Feder herumzuhämmern :twisted:

Gold ist ein sehr weiches Material, das verzeiht kaum was.

Z.
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