Lamy Patronen-Rollerball

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mondindianer
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Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von mondindianer »

Wer wie ich in manchen Situationen gern mit Rollerballs schreibt, hat jetzt gute Chancen, von teuren Einweg-Minen, die es zudem nur in beschränkter Farbauswahl gibt, wegzukommen. Vor kurzem bin ich auf eine Möglichkeit gestoßen (worden ;) ), einen Füller als Rollerball mit (selbstgefüllten) Tintenpatronen anstelle von Einweg-Minen zu betreiben. Für schnelle Notizen fehlte mit allerdings noch ein Füller mit Steckkappe, der zudem eine ruppige Behandlung nicht krumm nimmt.

Da ich wegen des Glasfeder-Lamy ohnehin im Bastelmodus war, habe ich gleich mit den Patronenrollern weitergemacht. Die safari-artigen Modelle von Lamy habe ich ausgewählt, weil sie vergleichsweise preiswert und die Teile untereinander austauschbar sind, die Griffstücke vom Innendurchmesser passen oder leicht passend gemacht werden können und sich die Form des Rollereinsatzes nahtlos in die Geometrien der Schreiber einpasst. Ich verwende das Schmidt PRS (Patronen Roller System) in schwarz mit der 0,5 mm Kugel (gibt es auch in 0,7 mm) - ein anderes ist mir auch gar nicht bekannt.
Die drei Modelle nach dem Umbau: Lamy Safari Rollerball, Lamy Balloon, Lamy Safari Füllhalter (die Bedeutung der Pfeile beim Lamy Balloon wird im Text erklärt)
Die drei Modelle nach dem Umbau: Lamy Safari Rollerball, Lamy Balloon, Lamy Safari Füllhalter (die Bedeutung der Pfeile beim Lamy Balloon wird im Text erklärt)
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Für alle drei Varianten gilt:
  • Der Umbau lässt sich nicht rückgängig machen! Es reicht allerdings, die jeweiligen Griffstücke auszutauschen, um den Ausgangszustand wieder herzustellen.
  • Zum Räumen und Bohren verwende ich einen gut scharfen 7 mm Holzbohrer, den ich von Hand drehe. Für den Safari Patronenroller kann man auch einen langsam drehenden Akkuschrauber o. ä. mit etwas Gefühl verwenden.
  • Keinesfalls die Lippe außen am Federende des Griffstücks beschädigen - die wird für den festen Sitz des Schreibers in der Kappe benötigt.
  • Die Schreibspitze sollte einigermaßen stramm in das Griffstück passen. Wenn nicht, kann mit wenigen Lagen Teflon-Band oder mit (Schellack-)Kleber nachgeholfen werden.
  • Am hinteren Ende der Schreibspitze befindet sich die Patronenaufnahme für Standardpatronen (vgl. dazu den grünen Pfeil im ersten Bild). Es bietet sich an, wegen der langen Hülsen am Griffstück der Tintenroller Großraumpatronen oder die langen Patronen mit Lamy- und Standardanschluss zu verwenden. Beim Safari-Füller bleibt es bei der Original-Patrone.
Lamy Balloon Tintenroller mit T11-Mine: Das ist die Version mit dem geringsten Veränderungsaufwand. Aus dem Schaft wird der weiße Einsatz entnommen, der die Mine in Position gehalten hat. In der Innenkappe steckt ein schwarzer Gummieinsatz, der entfernt werden muss, damit die Schreibspitze später Platz hat. Die letzte Aktion besteht darin, einen dünnen Wulst im Inneren des Griffstücks zu entfernen. Dazu mit dem Holzbohrer von der Schaftseite aus schneiden.
Wenn die Gefahr besteht, dass die Patrone aus ihrer Halterung rutscht (das Schlamperetui im Rucksack...), dann kann der weiße Einsatz - entsprechend gekürzt - wieder in den Schaft eingesetzt werden (vgl. dazu den gelben Pfeil im ersten Bild).
Einzelteile des Lamy Balloon: oben die Kappe mit der zerlegten Innenkappe, unten der Schaft mit dem weißen Abstandhalter
Einzelteile des Lamy Balloon: oben die Kappe mit der zerlegten Innenkappe, unten der Schaft mit dem weißen Abstandhalter
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Lamy Safari Tintenroller mit M63-Mine: Schaft und Kappe bleiben unverändert. Die angegossene Spitze des Griffstücks muss aber abgeschnitten werden. Zuvor das Dichtgummi (O-Ring) aus dem Griffstück unten herausfischen. Anschließend mit dem Holzbohrer von der Schaftseite aus ohne großen Druck schneiden, bis die Spitze abfällt.
Original Lamy Vista als Rollerball mit Mine M63, Lamy Safari Strawberry nach dem Umbau
Original Lamy Vista als Rollerball mit Mine M63, Lamy Safari Strawberry nach dem Umbau
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Lamy Safari Füllhalter: Dieser Umbau ist etwas anspruchsvoller, ermöglicht aber neben dem Patronen- auch den Eyedropper-Betrieb. Schaft und Kappe bleiben für den Patronenbetrieb unverändert, für den Eyedropper-Umbau ist dies die Anleitung im Pen-Wiki. Das Griffstück muss von vorn auf den benötigten Durchmesser aufgebohrt werden. Der Kunststoff (ABS) lässt sich gut bearbeiten, die Wandstärke des Giffstücks in dem Bereich ist beruhigend stark. Es wird nur so weit gebohrt, bis die Schreibspitze komplett in das Griffstück passt, der Patronendorn weiter hinten soll erhalten bleiben. Zur Regulierung der Tintenzufuhr habe ich in den Dorn ein 2-3 mm durchmessendes Stück der Schreibspitze eines ausrangierten OHP-Filzstifts gesteckt. Es passen weiterhin die Originalpatronen (auch in der Eyedropper-Variante).
Lamy Safari Tristar: Füllfederhalter, Glasfederfüllhalter und Patronenrollerball, wahlweise als Eyedropper
Lamy Safari Tristar: Füllfederhalter, Glasfederfüllhalter und Patronenrollerball, wahlweise als Eyedropper
4.jpg (236.71 KiB) 409 mal betrachtet
Ich hoffe, es ist für alle Interessierten etwas dabei. Sollte jemand mehr Erkäuterungen benötigen: einfach PN schreiben.
Viele Grüße
Fritz
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Andreas_Hannover
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Andreas_Hannover »

Ohne Worte - außer: Danke für den tollen Bericht!
BlaueFingerSindToll
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von BlaueFingerSindToll »

Moin,

Es scheint das Ganze seid neusten auch von Lamy direkt zu geben:
IMG_0739.jpeg
IMG_0739.jpeg (198.77 KiB) 268 mal betrachtet
Heute in einen Schreibwarenhandel in Hameln gekauft. Laut Verkäuferin ganz neu. Auf der Lamy Website konnte ich nichts finden, habe im Internet aber den Begriff „Safari roll-ink“ dafür gefunden. Soll wohl nur mit blauen T10 Patronen kompatibel sein. Schreibt mir Lamy Schwarz aber auch gut. Weiß jemand dazu mehr?


Grüße
Skribenion
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Skribenion »

Ich hatte so etwas vor Jahren von Online. Funktionierte mit Standardpatronen.
Bin nicht sicher ob es die noch gibt.
Allerdings schrieb der Schreiber grauenhaft.
Mit besten Grüßen

René
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TomSch
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von TomSch »

Tach zusammen.

Bei Schimpfens ums Eck haben sie den auch schon. :mrgreen:

Tschö, Thomas
Sei nicht so; sei anders.
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Füchschen
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Füchschen »

Vermutlich reagieren sie auf die Umstellung, dass die meisten Kinder nicht mehr mit Füller schreiben, sondern mit einem Tintenschreiber.
Tintige Grüße von Vanny
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mondindianer
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von mondindianer »

In einem anderen Faden hat @rubicon/Andrea am Freitag dieser Woche dasselbe gefunden. Ich kopiere ihre und meine anschließende Nachricht einfach mal hierhin, damit alles im Lamy-Faden zusammen ist.

rubicon hat geschrieben:
06.03.2026 21:19
Den Lamy gibt es jetz auch schon fertig als Tintenroller:

https://www.stiloestile.com/en/search?c ... s=roll-ink

Nimmt jedoch nur Patronen, keine Konverter.
mondindianer hat geschrieben:
07.03.2026 8:04
Hallo Andrea,
das ist ja interessant! Auf der Lamy-Seite sind die bis heute nicht zu finden. Danke für den Hinweis.
Auf den Bildern kann man gut erkennen, dass die Schreibspitze von Schmidt verbaut ist. Hätte ich nicht besser machen können - für den Preis jedenfalls nicht :o
Im Text auf der zitierten Seite steht (wenn ich das nicht falsch verstanden habe), dass sie nur für die blaue, löschbare Tinte geeignet sind:
"instead of a standard roller refill, the LAMY Safari Roll-Ink uses only blue LAMY T10 ink cartridges."
Beim Hersteller Schmidt gibt es keine Einschränkungen für die Verwendung der Schreibspitze.

wg. Konverter: tausche den Schaft gegen einen vom Safari Füller und dein Konverter wird passen ;)
Viele Grüße
Fritz
BlaueFingerSindToll
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von BlaueFingerSindToll »

Moin,

Alles sehr interessant. Vor allem, das ich diesen Stift nicht auf der Lamy Website finde. Mal schauen, was an dieser Stelle die nächsten Tage bringen.

mondindianer hat geschrieben:
07.03.2026 8:04
wg. Konverter: tausche den Schaft gegen einen vom Safari Füller und dein Konverter wird passen ;)
Hier sei aber zu beachten, das der Safari Konverter (der rote) nicht in das Griffstück passt. Der schwarze sollte aber gehen.

Zwei Dinge wunder mich allerdings, einmal das fehlende Tintenfenster (sollte bei dem roll-ink ja ähnlich relevant sein wie beim Füller) und die Angabe, das der roll-ink nur mit Königsblau Patrone kompatibel ist. Als jemand der Königsblau nicht (mehr) leiden kann (sieht aus wie 5. Klasse Matheheft) habe ich diesen Hinweis erst gesehen, als ich schon eine schwarze Lamy Patrone eingelegt hatte. Schreibt wunderbar.

Ich bin gespannt, ob es auch unterschiedliche „Federn“ geben wird, die aktuelle ist mir ein wenig zu breit. Rausschrauben lässt sich das ganze.


Grüße
Helmut01
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Helmut01 »

Mutig ist es ja: Füllertinte in einen Tintenroller zu packen, obwohl ihr der nötige Schmierstoff fehlt. Normalerweise bedeutet das eine ziemlich kurze Lebensdauer. Bei den Online-Stiften war nach zwei oder drei Patronen bereits Feierabend. Aber vielleicht hat Lamy ja diesmal wirklich etwas durchdacht – früher konnten sie schließlich auch nachhaltig entwickeln.
Helmut01
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Helmut01 »

BlaueFingerSindToll hat geschrieben:
08.03.2026 22:14
Ich bin gespannt, ob es auch unterschiedliche „Federn“ geben wird, die aktuelle ist mir ein wenig zu breit. Rausschrauben lässt sich das ganze.
Vermutlich wird man nach zwei oder drei Patronen einfach den defekten Einsatz tauschen dürfen – Ersatzteil natürlich separat erhältlich. So sieht „Nachhaltigkeit“ heute aus.

Man möge mir die Ironie verzeihen.
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Pen-Tagon
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Re: Lamy Patronen-Rollerball

Beitrag von Pen-Tagon »

Vikka schrieb in einem anderen Thread
SpurAufPapier hat geschrieben:
09.03.2026 20:22
rubicon hat geschrieben:
06.03.2026 21:19
Den Lamy gibt es jetz auch schon fertig als Tintenroller:

https://www.stiloestile.com/en/search?c ... s=roll-ink

Nimmt jedoch nur Patronen, keine Konverter.

Hier auch:
https://www.schreibkultur-nova.de/shop/ ... enpatronen
mit der Anmerkung, dass dort auf die Verwendung von Standardpatronen wegen der großen Farbauswahl hingewiesen wird.
Gruß
Knut
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